Bundesweite Kampagne gestartet

Verbraucherschützer: Jeder Stromanbieterwechsel lohnt sich (Upd.)

Die Verbraucherzentralen wollen Stromkunden mit einer bundesweiten Kampagne zum Anbieterwechsel bewegen. Es sei höchste Zeit, dass Stromkunden selber aktiv werden und "überzogenen Strompreisen die rote Karte zeigen", sagte der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Gerd Billen, zum Kampagnenstart.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp/sm) - "Die Zeit ist reif", sagte Verbraucherschützer Holger Krawinkel der "Frankfurter Rundschau" (Donnerstagausgabe) zu der Kampagne der Verbraucherzentralen, die heute unter dem Motto "Strom. Jetzt wechseln. Jetzt sparen" anläuft. Strompreissteigerungen um etwa 50 Prozent seit dem Jahr 2000 seien nicht gerechtfertigt. Die Rohstoffpreise seien keinesfalls in vergleichbarem Maß gestiegen, Steuern und Abgaben seien relativ konstant geblieben.

Das Sparpotenzial ist den Verbraucherschützern zufolge dabei enorm: "Würden alle 40 Millionen Haushalte ihr Sparpotenzial von durchschnittlich etwa 60 Euro nutzen, käme dies einem Einspar- und Konjunkturprogramm von über zwei Milliarden Euro gleich", sagte Billen. Bisher hätten seit der Liberalisierung des Strommarktes erst sechs Prozent der Haushaltskunden ihren Anbieter gewechselt.

Je nach Verbrauch und Region variieren laut einem aktuellen Preisvergleich des vzbv in den 100 größten deutschen Städten mit insgesamt über 26 Millionen Einwohnern die Einsparpotenziale: Im nordrhein-westfälischen Düren könne ein 4-Personen-Haushalt durch einen Anbieter- oder Produktwechsel im Jahr bis zu 185 Euro sparen, ein Single-Haushalt in Berlin bis zu 110 Euro, Paare in Freiburg im Breisgau bis zu 120 Euro. Ein Wechsel lohne sich immer, so der vzbv.

Ein Wechsel des Stromanbieters ist laut vzbv einfach und ohne Risiko möglich: Für den Wechsel bräuchten Verbraucher "nur die neuen Vertragsunterlagen anfordern, ausfüllen und unterschrieben zurücksenden". Je mehr Menschen ihren Stromanbieter wechselten, desto günstiger würden am Ende die Preise für alle, sagte der vzbv-Fachbereichsleiter Bauen, Energie und Umwelt, Holger Krawinkel. Die Sorge, bei einem Anbieterwechsel plötzlich ohne Strom dazustehen, sei unbegründet.

Die Aktionskampagne der Verbraucherzentralen soll mit Plakaten, Faltblättern und im Internet unter verbraucherzentrale.de über Stromanbieterwechsel und Möglichkeiten zum Stromsparen informieren. Ziel sei es, in den nächsten sechs Monaten zusätzlich eine Millionen Haushalte zum Wechsel ihres Stromanbieters oder -tarifs zu bewegen.

Auch Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) rief die Bundesbürger zum Wechsel ihres Stromlieferanten auf. Die Bundesregierung habe den Anbieterwechsel erleichtert, sagte Seehofer. "Verbraucher können nun selbst aktiv etwas zur Verringerung ihrer Kosten tun. Nämlich den Energieanbieter wechseln", erklärte der Minister. Dieser kleine Aufwand könne sich lohnen.

Nach Angaben des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) haben seit der Marktöffnung im April 1998 rund zwölf Millionen Haushalte günstigere Stromverträge abgeschlossen. Rund zweieinhalb Millionen private Kunden hätten bis 2006 einen neuen Lieferanten gefunden. Etwa zehn Millionen Haushaltskunden wählten ein günstigeres Produkt ihres bisherigen Stromlieferanten. Die Zufriedenheit der Kunden mit den Leistungen ihrer Stromversorger sei weiterhin hoch, betonte der Verband.

vzbv-Tipps zum Energiesparen

Neben dem Anbieterwechsel kann die Stromrechnung zudem durch das Einsparen von Energie gesenkt werden. Die Verbraucherzentralen gaben dazu einige Tipps:

  • Das konsequente Ausschalten des Stand-by-Betriebs der elektrischen Geräte einer durchschnittlichen Familie spart etwa 115 Euro im Jahr.
  • Der Einbau einer sparsamen Umwälzpumpe für die Gas- oder Ölheizung senkt die Stromrechnung um bis zu 240 Euro pro Jahr.
  • Wer 6,60 Euro in die Mehrkosten einer Energiesparlampe investiert, spart unterm Strich 80 Euro im Jahr.
  • Wer den alten Kühlschrank durch ein hocheffizientes Gerät ersetzt, spart über die Nutzungsdauer rund 200 Euro.