Zertifikatspreise sinken

Verbraucherschützer fordern Überprüfung der Strompreise

In der vergangenen Woche sind die Preise für Verschmutzungsrechte an der Strombörse Leipzig drastisch eingebrochen. Der Preis für ein Zertifikat verbilligte sich um mehr als die Hälfte von über 30 auf unter 14 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Für die Verbraucherzentralen ein Grund für eine Senkung der Strompreise.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp.djn/sm) - Angesichts eines drastischen Preisverfalls auf dem Markt für Emissionszertifikate fordern Verbraucherschützer eine Überprüfung der Strompreise. Die Wirtschaftsminister der Länder müssten ihre Genehmigungen für die Strompreiserhöhungen im Lichte der neuen Entwicklung überprüfen und gegebenenfalls zurückzuziehen, sagte Holger Krawinkel, Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwochausgabe).

Viele Stromkonzerne hatten in den vergangenen Monaten ihre Strompreise erhöht und dies zumindest indirekt mit den gestiegen Kosten für Kohlendioxid-Zertifikate begründet. In der vergangenen Woche sind die Preise für Verschmutzungsrechte an der Strombörse Leipzig jedoch drastisch eingebrochen. Der Preis für ein Zertifikat verbilligte sich um mehr als die Hälfte von über 30 auf unter 14 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Für die Verbraucherzentralen ist damit ein zentraler Grund für die Strompreiserhöhungen nachträglich weggefallen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert daher nun, die Genehmigungen für Strompreiserhöhungen rückwirkend erneut zu überprüfen und zurückzunehmen, wo immer es möglich sei. Die Genehmigungen "sind ganz offensichtlich auf falscher Basis erteilt worden", sagte Krawinkel. Falls die jeweiligen Wirtschaftsminister die Strompreiserhöhungen pauschal, ohne den Vorbehalt der Kohlendioxid-Preisentwicklung genehmigt hätten, sei dies "ein schweres Versäumnis". Dann sei es juristisch nicht möglich, die einmal erteilte Genehmigung wieder zurückzuziehen.

Möglicherweise werden die Verbraucherzentralen den Stromkunden in solchen Fällen künftig raten, die erhöhte Stromrechnung unter Verweis auf Paragraph 315 BGB (Billigkeit) nicht zu zahlen, sagte Krawinkel. Die Verbraucherzentralen hatten bereits auf dem Gasmarkt einen ähnlichen "Zahlungsboykott" organisiert, dem mehrere zehntausend Verbraucher gefolgt waren.