Transparenz

Verbraucherschützer fordern einheitliches Ökostrom-Siegel

Verbraucherschützer haben ein einheitliches und aussagekräftiges Ökostrom-Siegel gefordert. "Wie bei Biolebensmitteln brauchen wir endlich auch beim Ökostrom Verlässlichkeit", erklärte der Vorstand vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Gerd Billen, am Freitag in Berlin.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Billen zog damit Konsequenzen aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für seinen Verband. Demnach verlieren Verbraucher in der "Labelflut" des deutschen Ökostrommarktes mit unterschiedlichen Philosophien und intransparenten Kriterien "den Durchblick".

Ökostrom hat nicht zwangsläufig einen Umweltnutzen

Ein von der Zeitschrift "Test" am Donnerstag veröffentlichter Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass nicht jeder Ökostromtarif tatsächlich auch der Umwelt nutzt. Nur in zwei von drei Fällen können Kunden demnach darauf vertrauen, dass der Energiebezug ihrer Haushalte auch zum Natur- und Klimaschutz beiträgt.

Zwar stammt der Strom in allen Fällen komplett aus erneuerbaren Quellen, aber das Problem entsteht an anderer Stelle: Es gibt Anbieter, die ohnehin produzierten Strom aus Wasserkraftwerken im In- und Ausland nun eigens als Ökostrom ausweisen - anstatt ihn wie bisher auch einfach undeklariert in den normalen Strommix einzuspeisen. Es handelt sich also um eine "Luftbuchung", die an der Zusammensetzung des deutschen Energiemixes insgesamt gar nichts ändert, auch wenn es hierzulande mehr Bezieher von reinem Ökostrom als früher gibt.

Anteil von Ökostrom im Gesamt-Mix sollte steigen

Als Ökostromtarife mit Umweltnutzen gelten daher nach Auffassung von "test" und anderen Experten nur die, deren Anbieter in den Bau neuer Bioenergieanlagen investieren, um den Anteil von Ökostrom am gesamten Strommix zu vergrößern.

Es gibt in Deutschland derzeit drei unterschiedliche Prüforganisationen, die nach allgemein akzeptierter Auffassung Anbieter nach diesen Kriterien prüfen und auszeichnen. Es handelt sich um das Ok-Power-Label und das Grüner Strom Label, die beide von namhaften Umweltschutzorganisationen, Verbraucherschützern und Expertenvereinigungen getragen werden, sowie den TÜV. Insgesamt ist die Produktbezeichnung Ökostrom in Deutschland nicht gesetzlich geschützt.

Quelle: AFP