Kritik von Versorgern

Verbraucher-Ansturm legt Gaspreis-Vergleich im Internet lahm

Der Ansturm auf den im Internet veröffentlichten bundesweiten Vergleich von Gaspreisen durch das Bundeskartellamt hat die Server zusammenbrechen lassen. Das Angebot war am Mittwoch und am Donnerstag jeweils für mehrere Stunden nicht verfügbar, teilte eine Sprecherin am Donnerstag mit.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn/Berlin (ddp/sm) - Man habe zwar eine starke Nachfrage erwartet. Der "enorme Ansturm" habe jedoch überrascht. Mittlerweile sei man mit dem Angebot auf einen größeren Server umgezogen und habe technische Veränderungen vorgenommen.

Derweil hat Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Veröffentlichung der Gaspreise begrüßt. Die bundesweite Gaspreiserhebung habe die Transparenz auf dem Gasmarkt erhöht, erklärte er am Donnerstag in Berlin. Das sei "überfällig" gewesen. Das Bundeskartellamt und die Landeskartellbehörden müssten nun kurzfristig die durch den bundesweiten Preisvergleich verbesserten Möglichkeiten nutzen, um missbräuchliche Gaspreisgestaltungen durch die Gasversorger aufzugreifen.

Die Behörde hatte am Vortag unter ihrer Internetadresse Ranglisten mit den Gaspreisen von 739 Gasversorgern in ganz Deutschland veröffentlicht. Der Vergleich zeigt die enormen Preisunterschiede bei den Gasanbietern. Verglichen wurde der Preis für den durchschnittlichen Jahresverbrauch einer Wohnung mit Gastherme (7.000 Kilowattstunden pro Jahr), einem Einfamilienhaus (20.000 Kilowattstunden pro Jahr), einem freistehende Einfamilienhaus (35.000 Kilowattstunden pro Jahr) sowie einem Sechsfamilienhaus (90.000 Kilowattstunden pro Jahr).

Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden beispielsweise zahlt ein Gaskunde in Bayern bis zu 1.373 Euro, in Magdeburg dagegen nur 972 Euro.

Der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) kritisierte die Veröffentlichung des Rankings als Vergleich von "Birnen mit Äpfeln". Das Kartellamt habe wichtige Kriterien bei ihrer Berechnung nicht mit eingerechnet. Daher sei die Liste "sehr wenig aussagekräftig und spiegelt die Realität nicht wider." So seien strukturelle Unterschiede, die eine Rolle bei den Investitionskosten spielten, sowie Konzessionsabgaben nicht berücksichtigt worden.

Die CDU-Energiepolitikerin Katherina Reiche rechnet mit sinkenden Preisen beim Gas. Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion lobte den bundesweiten Vergleich von Gaspreisen als "einen ersten wichtigen Weg in die Liberalisierung". Wenn die Verbraucher nun ihre eigenen Gaspreise mit denen in anderen Regionen vergleichen können, sagte Reiche dem "Tagesspiegel", dann werde sich ein "natürlicher Druck" auf die eigenen Versorger, aber auch auf die Kommunen einstellen, die bei den Konzessionsabgaben über Gebühr Geld einnehmen und damit die Gaspreise hoch halten.

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