Bilanz

Verband rechnet weiter mit hohen Ölpreisen

Die deutschen Erdöl- und Erdgasproduzenten haben im vergangenen Jahr 26,4 Milliarden Kubikmeter und 20,6 Millionen Tonnen Erdöl gefördert, teilte Gernot Kalkoffen, Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) heute auf der Jahrespressekonferenz des WEG in Hamburg mit.

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Hamburg (ddp/sm) - Schlechte Aussichten für Autofahrer und Eigenheimbesitzer: Verbraucher müssen sich nach Einschätzung des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) auf weiterhin hohe Preise bei Öl und noch in diesem Jahr auf steigende Gaspreise einstellen. Ursache sei der zunehmende Bedarf angesichts eines rasanten Wachstums der Weltwirtschaft. Die heimischen Reserven nähmen weiter ab. Vor diesem Hintergrund zog die deutsche Öl- und Gasbranche am Donnerstag in Hamburg eine durchwachsene Bilanz für das vergangene Jahr.

Die deutschen Erdöl- und Erdgasproduzenten haben laut WEG im vergangenen Jahr 26,4 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 20,6 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Dies entspräche 26 Prozent des deutschen Erdgas- und 19 Prozent des deutschen Erdölbedarfs. Im Inland hätten die Erdöl- und Erdgasproduzenten 19,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 3,5 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Während im Inland die Erdöl- und Erdgasproduktion jeweils mit 7,5 Prozent rückläufig gewesen sei, habe die Erdgasproduktion im Ausland um fast zwölf Prozent zugelegt.

Wie der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes, Gernot Kalkoffen, sagte, sei in Anlehnung an den derzeit hohen Ölpreis mit einer Zeitverzögerung von etwa einem halben Jahr auch von einem "gewissen Anstieg" der Gaspreise auszugehen. Kalkoffen zufolge hat sich der Rohölpreis seit seinem Tiefststand von etwa zehn Dollar pro Barrel 1999 mit einem Spitzenwert von 52 Dollar 2004 innerhalb von fünf Jahren mehr als verfünffacht. Die deutsche Erdöl- und Erdgasbranche gehe davon aus, dass der angestrebte alte OPEC-Preiskorridor von 22 bis 28 Dollar je Barrel (159 Liter) sich im Trend eher dem derzeitigen Spekulationskorridor von 30 bis 60 Dollar annähern werde. Im Jahresdurchschnitt habe sich der Tagespreis gegenüber 2003 bereits um etwa ein Drittel auf 38 Dollar erhöht.

Grund seien neben den "starken Schwankungen in einem steilen Aufwärtstrend" beim Ölpreis vor allem die höchste Ölnachfrage der Weltwirtschaft seit 1976 und sinkende Lagerbestände. Wachstumsmotore seien vor allem China und Indien. Im Gegensatz dazu gebe es allerdings keinen Mangel an Öl. Verbraucher in Deutschland profitieren jedoch vom starken Euro. Der Dollar habe 2004 im Jahresverlauf bis zu zwölf Prozent verloren, erläuterte der Verband. Dadurch habe der Preisanstieg im Durchschnitt in Dollar zwar ein Drittel, in Euro aber nur ein Viertel betragen.

Bei Erdgas haben sich die Preise nach Verbandsangaben 2004 sogar leicht verringert. Der hierfür herangezogene so genannte Grenzübergangspreis bei den Produzenten sei um 3,3 Prozent gesunken. Den hohen Unterschied zum Endverbraucherpreis erklärte Kalkoffen mit hohen Konzessionsabgaben, Transport- und Verarbeitungskosten: "Was die Stadtwerke beim Kunden erheben, ist ein anderer Schnack." Der Preisanteil der Branche betrage nur etwa 30 Prozent.

Einem weiteren Problem sieht sich die Branche durch schwindende Inlandsreserven ausgesetzt. Öllagerstätten gebe es nur noch offshore vor der Nordseeküste, sagte Kalkoffen. Er rechnet mit einem jährlichen Mengenverlust von etwa zehn Prozent durch natürliche Erschöpfung der Lagerstätten. Die Reichweite der heimischen Mengen liege noch bei etwa 14 Jahren. Um die Fördermenge jedoch 2005 konstant zu halten, seien immense Aufwendungen nötig. Allein auf der einzigen deutschen Bohrinsel Mittelplate vor Schleswig-Holstein würden deshalb 100 Millionen Euro in eine Pipeline und eine neue Bohranlage investiert. Neue Techniken sollen auch zur Förderung von so genanntem Tight-Gas entwickelt werden, das aufgrund der hohen Gesteinsdichte im Vorkommen mit herkömmlicher Technik nicht mehr wirtschaftlich gefördert werden kann.

Von Michael Best