Preiserhöhungen

Verband: Höhere Strompreise wegen gestiegener Netzentgelte

Im März und April werden weitere Stromversorger ihre Preise anheben. Beliebte Begründung: Die gestiegene Umlage für Ökostrom. Doch die Agentur für Erneuerbare Energien sieht vor allem die gestiegenen Netzentgelte als Grund für die höheren Strompreise. Denn die EEG-Umlage sei kaum merklich gestiegen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Zum 1. März erhöhen 91 Versorger ihre Strompreise, zum 1. April weitere 62. Bereits in den Vormonaten hatten über 200 Grundversorger Preissteigerungen verkündet, so das Verbraucherportal Verivox. Im Durchschnitt nehmen die Preise um rund 3,4 Prozent zu. Einigen Versorgern dient der Ausbau der Erneuerbaren Energien als Begründung für die Erhöhung, obwohl die EEG-Umlage im Vergleich zu 2011 nur um 0,06 Cent je Kilowattstunde gestiegen sei. Neben betriebswirtschaftlichen Gründen seien für die angekündigten höheren Strompreise jedoch steigende Beschaffungskosten für fossile Energieträger, aber vor allem steigende Netznutzungsentgelte verantwortlich, so Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien.

Was sind Netznutzungsentgelte?

Mit dem Netzentgelt wird die Nutzung des Netzes abgegolten. Das Prinzip: Die Stromverbraucher, die das Netz in Anspruch nehmen, kommen für die Infrastruktur auf. Demnach müssten Verbraucher mit einem hohen Stromverbrauch mehr Netzentgelte zahlen. Dieser Grundsatz ist jedoch seit August 2011 aufgehoben. Die Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) regelt, dass Großstromverbraucher von der Zahlung der Netzentgelte zu einem großen Teil befreit sind. Dieses Privileg hatte die Regierung der energieintensiven Industrie im Zuge des Atomausstiegs zugebilligt, um die im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen zu entlasten. Nun gilt: Wer viel Strom verbraucht und daher die Netze intensiv nutzt, kommt nicht mehr für deren Instandhaltung auf.

Ökostrom dämpfe den Börsenstrompreis

Kostensenkend wirkten hingegen die Erneuerbaren Energien auf den Strompreis an der Strombörse. Der Bundesverband Erneuerbare Energie hat die Entwicklung der vergangenen Monate an der Strombörse ausgewertet und kommt zu dem Schluss: Der Preis am Spotmarkt (Baseload) lag im windreichen Dezember maximal bei 50 Euro pro Megawattstunde und war damit rund 15 Euro günstiger als in den Vormonaten. Gesunken sind auch die Kosten für Terminkontrakte für die nächsten drei Jahre (Futures). Sie haben sich unter dem Vor-Fukushima-Niveau eingependelt.

Von diesem Effekt haben Privatpersonen allerdings kaum etwas, da die Stromversorger die gesunkenen Beschaffungskosten nur selten bzw. nur teilweise und zeitverzögert an ihre Kunden weitergeben. Lediglich Industrieunternehmen, die ihren Strom an der Börse kaufen und gleichzeitig über die "Besondere Ausgleichsregelung" weitgehend von der EEG-Umlage befreit sind, haben durch günstigere Strompreise an der Börse einen Vorteil. Die energieintensive Industrie erlebe also schon heute die Vorteile der Erneuerbaren, so Vohrer.