"Mond-Preise"

Verbände: Unterstützung für Glos-Pläne [Upd.]

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) bezeichnet die jüngsten Vorschläge von Bundeswirtschaftsminister Glos (CSU) als "eine der besten Nachrichten für die deutschen Stromkunden seit langem". Dem schließt sich die WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM) a.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Essen/Berlin (red) - Der VIK fordert ebenfalls "scharfe Wettbewerbsinstrumente" für das Kartellamt. Im Zeitraum von Anfang Mai 2006 bis Anfang September 2006 hätte sich der Preis an der Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) für einen mittleren Industriekunden von 54 Euro pro Megawattstunde auf 64 Euro pro Megawattstunde erhöht. Nach eigenen Angaben erzeuge der Energiekonzern RWE rund 80 Prozent seines Stroms zu einem Preis bis 24 Euro pro Megawattstunde, so eine VIK-Mitteilung.

Der Verband verweist erneut auf die Differenzen bei den Netzkosten , die seiner Ansicht nach mit an realen Verhältnissen orientierten Kalkulatioen nichts zu tun hätten. VIK-Geschäftsführer Alfred Richmann: "Es wird hier gar nicht ernsthaft kalkuliert. Das sind 'Mond-Kosten', passend zu den 'Mond-Preisen'. Hier werden die Kunden des Stromnetzmonopols rücksichtslos zur Kasse gebeten."

WVM-Hauptgeschäftsführer Martin Kneer beklagte in Berlin, der Stromhandel und die Märkte für Regelenergie würden immer stärker dem "Risiko einer oligopolen Beeinflussung durch das Strommonopol ausgesetzt". Die Liberalisierung des deutschen Strommarktes dürfe bei der Netzregulierung nicht halt machen. Die Unternehmen müssten für deutlich mehr Transparenz sorgen und ihr Stromangebot erweitern. Gelinge dies nicht, so Kneer, müssten auch die Stromerzeugung und der Stromhandel einer ex-ante-Aufsicht durchdie Behörden unterstellt werden. Ein funktionierender Wettbewerb auf dem Strommarkt könne bei der entstandenen Marktmacht und dem aktuellen Verhalten der vier großen Stromkonzerne nicht entstehen.

Nach Ansicht von Kneer müssen die großen Stromkonzerne ihre Verkaufspolitik wieder stärker an den tatsächlichen Kosten der Kraftwerke und den jeweiligen Strukturmerkmalen der Stromverbraucher ausrichten. Für eine Aluminium-, Kupfer- oder Zinkhütte sei Strom ein unersetzbarer Rohstoff. Sein Preis muss sich an den Entwicklungen auf den internationalen Beschaffungs- und Absatzmärkten orientieren. Die Fixierung der deutschen Stromkonzerne auf die inländische Strombörse und das Beharren auf einem Einheitspreis für alle Abnehmer ist nach Ansicht des Brachenverbandes "marktfremd und Standort schädigend".

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