Veag-Angestellte demonstrieren für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com
Im sächsischen Lippdorf sind gestern etwa 1600 Beschäftigte des ostdeutschen Energieversorgers Veag auf die Barrikaden gegangen. Grund: die Angst um die Arbeitsplätze. Nach Angaben von Veag-Betriebsrat Wilfried Schreck sind 2000 der 6000 Arbeitsplätze bedroht. Die Gespräche zwischen Wirtschaftsminister Werner Müller und den Chefs der Veag-Eigner um ein Stabilisierungsmodell waren am Montag erneut ergebnislos abgebrochen worden, weil Veba, Viag und RWE erst die Entscheidung der Kartellbehörden in Bonn und Brüssel abwarten wollen. Diese könnten von den dann fusionierten Unternehmen verlangen, die Veag aufgrund von wettbewerbsrechtlichen Gründen zu verkaufen.


Zur Vorgeschichte: Milliarden-Investitionen zur Modernisierung ostdeutscher Kraftwerke und der gesunkene Strompreis hatten die Veag 1999 tief-rote Zahlen schreiben lassen. Daraufhin hatten die Anteilseigner im Oktober 1999 ein Stabilisierungsprogramm ins Leben gerufen. Garantierte Abnahmemengen für Veag-Strom sollte Entlastung schaffen. Allerdings waren die Anteilseigner für den Misserfolg des Programms mitverantwortlich, da sie mit eigenen günstigeren Angeboten in den Wettbewerb eingestiegen sind. Seitdem versucht das ostdeutsche Unternehmen mit Personalabbau und deutlichen Tarifunterschieden zum Westen die Lage in den Griff zu bekommen. Zudem wurden Betriebe stillgelegt, Kurzarbeit eingeführt und die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter gestrichen.


Deshalb hatte gestern die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie zum Sturm geblasen. Landesbezirksleiter Hans-Jürgen Schmidt wies auf die kritische Lage in der ostdeutschen Bergbau- und Energiewirtschaft als Folge der liberalisierten Strommärkte hin. Betriebsrat Schreck forderte die Sicherung des Braunkohlestroms in einem "zukunftsweisenden Modell".