Preisunterschiede bis zu 50 Prozent

VEA: Noch immer kein Wettbewerb auf dem Gasmarkt

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer beklagt, dass es auch vier Jahre nach der formaljuristischen Öffnung des Gasmarkts keinen Wettbewerb gibt. "Wer wechseln will, hat schlechte Karten", sagt VEA-Geschäftsführer Dr. Volker Stuke - und das, wo man in Deutschland vergleichsweise hohe Gaspreise zahlt...

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Auch vier Jahre nach der formalen Liberalisierung des deutschen Gasmarkts findet zwischen den Versorgern kein Wettbewerb statt - das ist das Ergebnis des neuen Erdgaspreisvergleichs des Bundesverbandes der Energie-Abnehmer (VEA). Der in Hannover ansässige Verein kommt zu dem Ergebnis, dass die Heizölpreisbindung nach wie vor das Gaspreisniveau bestimme.

Die Gaspreise für Sondervertragskunden seien in den vergangenen zwölf Monaten zwar durchschnittlich um rund 16 Prozent gefallen, allerdings beruhten diese Preissenkungen einzig auf dem Fall der Heizölpreise um rund 20 Prozent. Durch die vertraglichen Bindungen zwischen Öl- und Erdgaspreis komme es zwangsläufig zu günstigeren Gasbezugskonditionen. Die Gaspreise hielten sich damit weiter auf hohem Niveau.

"Wer wechseln will, hat schlechte Karten"

"Wer wegen der hohen Preise seinen bisherigen Versorger wechseln will, hat schlechte Karten", so Dr. Volker Stuke, Geschäftsführer des VEA. "So lange der Netzzugang nicht verbindlich geregelt ist, werden günstige Angebote anderer Lieferanten Mangelware bleiben. Auch die kürzlich unterzeichnete Verbändevereinbarung Gas, die zum 1. Oktober dieses Jahres in Kraft tritt, wird an der für die Kunden unbefriedigenden Situation auf dem Gasmarkt nichts ändern", führte Stuke aus.

Signifikante Preisunterschiede der Versorger

Die aktuelle VEA_Studie, an der sich 40 Versorgungsunternehmen beteiligt hatten, bringt signifikante Unterschiede zwischen den Anbietern zum Vorschein. Wie schon beim letzten VEA-Preisvergleich vom November letzten Jahres ist die EWE Oldenburg der günstigste Anbieter, wo der Kunde durchschnittlich 2,03 Cent je Kilowattstunde zahlt. Nahezu 50 Prozent mehr, nämlich 3,03 Cent je Kilowattstunde, verlangt der teuerste Versorger, die Stadtwerke Hagen.

"Behörden und Regierung gefordert"

"Deutsche Verbraucher und Industrieunternehmen müssen in Europa für Gas am tiefsten in die Tasche greifen - ein massiver Standortnachteil, der nur durch eine tatsächliche Öffnung des Gasmarkts beseitigt werden kann", so Stuke. Der VEA fordere daher nachdrücklich einen funktionierenden und diskriminierungsfreien Netzzugang für fremde Lieferanten. Nachdem der verhandelte Netzzugang auf der Basis von Verbändevereinbarungen auch vier Jahre nach der formaljuristischen Öffnung des Marktes nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, seien jetzt die zuständigen Behörden und die Bundesregierung gefordert.