Nicht praktikabel!

VEA kritisiert fehlenden Wettbewerb auf den Energiemärkten

Noch immer zeigt sich der VEA unzufrieden mit dem Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt. Als größtes Hindernis bezeichnete der Verband die Zugangsregeln und die Preisstellung für die Netznutzung.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer e.V. (VEA) hat auf seiner Mitgliederversammlung heute in Berlin die konsequente Öffnung der Energiemärkte gefordert. Drei Jahre nachdem die Strom- und Gasmärkte gesetzliche geöffnet worden seien, habe sich immer noch kein funktionierender Wettbewerb etablieren können, kritisierte der Vorstandsvorsitzende des VEA, Harald Wildhagen.

Das größte Wettbewerbshindernis sei nach wie vor die nicht genügend geklärte Frage der Netznutzung und Durchleitung, denn: "Die Schaffung liberalisierter Energiemärkte steht und fällt mit den Zugangsregeln und Preisstellungen für die Netznutzung", begründete Wildhagen. Die in den so genannten Verbändevereinbarungen zustande gekommenen, frei verhandelten Bestimmungen seien aber zu kompliziert und nicht praktikabel. "Die Wettbewerbsregeln wurden und werden weiter von denen diktiert, die kein Interesse am Wettbewerb haben", kritisiert Wildhagen. Auch mit der Rolle des auf Verbraucherseite an den Vereinbarungen beteiligten Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) und des Verbands der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) ist Wildhagen unzufrieden: "Ich kann nicht feststellen, dass BDI und VIK die Interessen der zahlreichen kleineren und mittleren Kunden wirklich im Auge haben. Die beiden Verbände vertreten doch in erster Linie die Großindustrie."

Auf dem Gasmarkt stelle sich die Situation noch schlechter dar. Das in der Verbändevereinbarung ausgehandelte Netznutzungsentgelt ist entfernungsabhängig, mit der Folge, dass lokale Versorgungsunternehmen weitaus günstiger ihr Gas anbieten könnten als weiter entfernte oder ausländische Anbieter. Darüber hinaus hätten die meisten Anbieter ihre Netznutzungsentgelte nicht veröffentlicht, obwohl sie sich dazu in der Verbändevereinbarung selbst verpflichtet haben. So müsse es nicht verwundern, dass Gaskunden kaum Angebote Dritter erhalten, und es bislang auch kaum zu Anbieterwechseln kam.

Wildhagen zog auch eine Bilanz der Arbeit: Um den Missständen abzuhelfen, hätte der VEA seine Arbeit in den vergangenen zwölf Monaten nochmals verstärkt. Vor allem bei den Kartellbehörden des Bundes und der Länder hätte der VEA einige Steine ins Rollen bringen können. Der Verband besteht nach wie vor darauf, dass politische Maßnahmen ergriffen werden, um dem Wettbewerb auf den Energiemärkten zu einem schnellen Durchbruch zu verhelfen: "Wir brauchen zumindest in der gegenwärtigen Situation eine Regelungsinstanz, die zügig eine faire Gestaltung der Netznutzung durchsetzt", konkretisiert Wildhagen die Forderung des VEA.