Tendenz weiter steigend

VEA: Gaspreise steigen weiter

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer hat in den letzten 18 Monaten Gaspreiserhöhungen von über 80 Prozent festgestellt.

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Die Gaspreise in Deutschland befinden sich auf einem Höhenflug. Das stellt der Bundesverband der Energie-Abnehmer e. V. (VEA), Hannover, in seinem aktuellen Erdgaspreisvergleich (Stand: April 2001) fest. "Die mittelständische Wirtschaft sieht sich mit Gaspreisen auf Rekordniveau konfrontiert", kritisiert Dr. Volker Stuke, Geschäftsführer des VEA. "Preissteigerungen von über 40 Prozent im letzten Jahr und von über 80 Prozent in den letzten 18 Monaten zeigen, dass von Wettbewerb im Gasmarkt noch keine Rede sein kann."

Hauptursache für die hohen Gaspreise sei deren Kopplung an den Ölpreis. Mit einer Verzögerung von etwa sechs Monaten bildeten die Gaspreise die Entwicklung des Erdölmarktes ab. Während sich der Grenzübergangspreis für Erdgas in den vergangenen 18 Monaten um etwa zwei Pfennig pro Kilowattstunde erhöht hat, mussten Industriekunden durchschnittlich knapp drei Pfennig pro Kilowattstunde mehr für das Gas bezahlen. "Einige Versorger nutzen den hohen Ölpreis, um saftige Preiserhöhungen dahinter zu verbergen", so Stuke verständnislos. Die aktuelle VEA-Studie, an der sich 42 Versorgungsunternehmen beteiligt haben, zeigt aber auch wieder signifikante Preisunterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Eine Differenz von 44 Prozent trennt den günstigsten Anbieter, die Schleswag in Rendsburg mit 4,8 Pfennig pro Kilowattstunde, und den teuersten Lieferanten, die MVV Mannheim mit 6,9 Pfennig pro Kilowattstunde. Zwar gewährten die meisten Versorger ihren Kunden zur Abfederung des Preisniveaus derzeit einen zeitlich befristeten Rabatt, doch sei dies nicht Ausdruck eines funktionierenden Wettbewerbsmarktes, so Stuke weiter.

Auch drei Jahre nach Öffnung des Gasmarktes erhielten Industriekunden nur in wenigen Ausnahmefällen Angebote von Dritten. Ursache für die aus Kundensicht niederschmetternde Situation sei die vielfach ungeklärte Durchleitung, so der VEA. Die in der Verbändevereinbarung festgelegte Regelung sei viel zu kompliziert und erweise sich in der Praxis als nicht hilfreich. "Die Verbändevereinbarung in der derzeitigen Form ist wettbewerbsverhindernd", so Stuke. Die Politik sei jetzt gefordert und könne nicht weiter tatenlos zuschauen. Damit Bewegung auf den Gasmarkt kommt, rät der VEA seinen Mitgliedern, die derzeitigen Bezugskonditionen zu prüfen und Nachlässe von den derzeitigen Lieferanten zu fordern. In verschiedenen Regionen ist es dem VEA gelungen, durch Nachfragebündelung den Preisanstieg für seine Mitglieder abzufedern.