Preistreiber am Ende

VEA erwartet Impulse für Wirtschaft durch sinkende Energiepreise

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) erhofft sich eine starke Regulierungsbehörde für den deutschen Energiemarkt. Nur so bekäme der Wettbewerb eine reele Chance, sagte VEA-Chef Wildhagen auf der heutigen Mitgliederversammlung in Nürnberg. Weil die Front der Preistreiber durchbrochen sei, rechnet der VEA mit sinkenden Strom- und Gaspreisen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer e. V. (VEA) rechnet in den nächsten Monaten mit sinkenden Preisen für Strom und Gas. Das erklärte der Vorstandsvorsitzende des VEA, Harald Wildhagen, auf der Mitgliederversammlung des Verbandes heute in Nürnberg. Die Ankündigung einer Regulierungsinstanz habe die Front der Preistreiber unter den Energieversorgern durchbrochen. Auch die in den letzten Wochen ergangenen Missbrauchsverfügungen des Bundeskartellamts gegen "besonders dreiste Abzocker" seien ein deutliches Signal für alle Energieversorger, ihre Preispolitik zu überdenken.

"Der VEA bemängelt seit Jahren den Zustand auf den Energiemärkten. Es herrscht kaum Wettbewerb, die deutschen Preise sind europaweit an der Spitze und steigen weiter. Jetzt endlich hat die Politik auf unseren Druck reagiert. Wir erhoffen uns von dieser Kehrtwende in der Energiepolitik nicht nur günstigere Energiepreise für die Verbraucher. Vor allem für die Wirtschaft und das produzierende Gewerbe kann es ein wichtiger Impuls sein, wenn Energie in Deutschland wieder bezahlbar wird", sagte Wildhagen. Untersuchungen des VEA haben ergeben, dass Energie im Norden und Osten um einiges teurer ist als im Süden und Westen Deutschlands.

"Deutschland hat sich als einziges Land in der EU entschieden, die Ausgestaltung der Liberalisierung den Marktteilnehmern selbst zu überlassen. Das Ergebnis ist ein Desaster. Anstelle von Wettbewerb haben sich Oligopole gebildet. Die Vormachtstellung der großen Konzerne hat sich verfestigt. Mittels überhöhter Netzgebühren konnten diese der Konkurrenz systematisch den Markteintritt erschweren. Wir haben so wertvolle Zeit verloren, in der die Wirtschaft und der Standort Deutschland insgesamt dringendst Impulse gebraucht hätten", resümierte Wildhagen fünf Jahre Wettbewerb auf dem Strommarkt. Jetzt gelte es, die Effektivität und Leistungskraft der Regulierungsbehörde sicherzustellen, um den Schaden schnellstmöglich zu beheben. Eine Anbindung des Regulierers an das Kartellamt ist für den VEA nur eine von mehreren Möglichkeiten. Es müsse aber auf jeden Fall klar gestellt werden, dass die Marktteilnehmer unter der Aufsicht des Regulierers stehen.

"Die Zeiten der selbst verhandelten Verbändevereinbarungen sind vorbei. Der Wettbewerb bekommt eine reelle Chance. Das sind die Signale, die wir vom Regulierer erwarten. Auf keinen Fall darf dieses Reformvorhaben wie so viele andere zerredet werden. Der Zustand unserer Wirtschaft erlaubt es uns nicht, nochmal ein paar Jahre zu verlieren. Nur eine mit weit reichenden Kompetenzen ausgestattete Regulierungsinstanz kann zu einer dauerhaften Senkung der Energiepreise und damit zu einer Belebung der Wirtschaft führen", fasste Wildhagen die Auffassung des VEA abschließend zusammen.