Interview

VDN-Präsident: Windkraft verteuert Netzbetrieb

Insbesondere die unstetige Einspeisung von Strom aus Windkraft macht laut VDN-Präsident Hans-Jürgen Ebeling die Netznutzung in der Hoch- und Höchstpannung teurer. Zudem sei der Regelenergiebedarf bereits deutlich gestiegen, die Zusatzkosten beliefen sich schon jetzt auf mehreren huntert Millionen Euro.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die deutsche Stromwirtschaft steht in den kommenden Jahren vor Milliardeninvestitionen beim Ersatz und Neubau von Kraftwerken sowie von Übertragungsleitungen. Der Bedarf an neuen und zusätzlichen Stromtrassen ergebe sich zunächst aus dem im Norden konzentrierten Zubau von Windkraftanlagen, sagte Hans-Jürgen Ebeling, Präsident des Verbandes der Netzbetreiber (VDN), am Mittwoch der Wirtschaftsnachrichtenagentur ddp in Berlin. Dabei gingen die Einschätzungen bis 2016 von weit über 1000 Kilometer neuen Höchstspannungsleitungen aus. Von 1993 bis 2003 habe die Stromwirtschaft mit etwa 30 Milliarden Euro die Hälfte ihrer Investitionen für die Netze ausgegeben.

Aufwendungen durch Integration des Windstroms

Zu den erforderlichen Aufwendungen infolge der Integration des Windstroms in die sichere Versorgung kommt laut Ebeling hinzu, dass die Netze in Deutschland und in Europa ursprünglich nicht für den starken länderübergreifenden Strom-Ferntransport errichtet wurden. Darüber hinaus müssten in Deutschland bis 2020 Kraftwerkskapazitäten von über 40 000 Megawatt ersetzt oder zugebaut werden. Auch an diese Entwicklungen müsse das Stromnetz angepasst werden.

Unstetige Windkraft macht Ausgleich nötig

Ebeling verwies auch darauf, dass nach den Vorstellungen der Bundesregierung die installierte Windkraftleistung von derzeit knapp 15 330 Megawatt (Ende Juni) bis 2020 auf mehr als 30 000 Megawatt verdoppelt werden soll. Wind sei aber "nur begrenzt verfügbar und schwer vorhersehbar". Wenn die tatsächliche Erzeugung von der Prognose abweiche, müssten die Netzbetreiber über die entsprechend ausgelegten Netze für einen Ausgleich (Regelenergie) sorgen. Inzwischen mache Windstrom rund drei Prozent der Stromproduktion und gut zehn Prozent der installierten Kraftwerksleistung aus.

Zusatzkosten von mehreren hundert Millionen Euro

Mit dem Ausbau der Windenergie sei der Regelenergiebedarf bereits deutlich gestiegen, betonte der VDN-Präsident. Die installierte Windkraftleistung sei inzwischen so groß, dass die Schwankungen durch die Windeinspeisung größer seien als die bisher nötige Regelleistung, die ohnehin für Lastschwankungen und eventuelle Kraftwerksausfälle bereitgestellt werden musste. Die Zusatzkosten für Regelenergie belaufen sich laut Ebeling bereits heute auf "mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr".

Netznutzungspreise seit 2002 stabil

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um mögliche Preiserhöhungen im Höchstspannungsnetz durch einzelne Versorger verwies Ebeling darauf, dass die Preise für die Netznutzung in Deutschland seit 2002 insgesamt stabil waren. Der Transport einer Kilowattstunde Strom habe Anfang 2004 im Bundesdurchschnitt für Haushalte bei etwa 5,4 Cent gelegen, ein Prozent weniger als Mitte 2002. In der Mittelspannung sei der Strompreis seither um zwei Prozent gesunken. In der Hoch- und Höchstspannung sei er gestiegen, vor allem wegen des Aufwands für schwankende Windstrom-Einspeisung.