Rück- und Ausblick

VDEW: Stromwirtschaft investiert in Versorgungsqualität

"Der Wettbewerb im deutschen Strommarkt funktioniert und wird von der Branche aktiv weiterentwickelt." Das erklärte Werner Brinker, Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) in Berlin zur Jahresbilanz der Stromwirtschaft. Für das kommende Jahr seien Investitionen von mehr als fünf Milliarden Euro geplant.

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Berlin (red) - Die Vielfalt von mehr als 1.000 Unternehmen im deutschen Strommarkt sei ein Wettbewerbselement, das in Europa ohne Beispiel ist, sagte Brinker weiter. "Die EU-Kommission hat Deutschland eine geringe Marktkonzentration bescheinigt", betonte Brinker. Die beiden größten Unternehmen hätten nur einen Anteil von jeweils etwa 22 Prozent an den Erzeugungskapazitäten. In Frankreich komme allein die EDF schon auf nahezu 90 Prozent der Erzeugungskapazität. In Belgien gehörten dem größten Erzeuger 83 Prozent der Kraftwerkskapazitäten.

"Die Kräfte des Wettbewerbs sorgen im Strommarkt auch für neue Investitionen", erklärte Brinker. Rund die Hälfte aller 53 neuen Kraftwerksprojekte planten Unternehmen, die bisher noch gar nicht oder nur in geringem Umfang in der Stromproduktion aktiv waren. Brinker: "Diese Dynamik hat der Markt geschaffen, der neue Investoren anzieht. Die Politik darf hier nicht zum Bremser werden." Staatliche Preisvorgaben beispielsweise wären schädlich für das Investitionsklima und würden Investoren geradezu abschrecken.

Die deutsche Politik brauche mehr Mut zum Wettbewerb: "Schließlich ist das novellierte Energiewirtschaftsgesetz noch nicht einmal ein Jahr lang inKraft", erklärte Brinker. "Das komplexe Regelwerk braucht Zeit, um seine Wirkung zu entfalten. Die Politik sollte diese Wirkung bewerten, statt ungeduldig ständig neue Veränderungsvorschläge ins Gespräch zu bringen."

"In der deutschen Stromwirtschaft hat Anfang des Jahrzehnts ein neuer Investitionszyklus begonnen", berichtete Brinker. 2005 habe die Branche fast vier Milliarden Euro investiert. "Das bedeutet ein leichtes Plus von 0,5 Prozent, während die Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe um drei Prozent sanken", betonte Brinker. Die Planungen der Stromunternehmen wiesen für 2006 einen deutlichen Anstieg der Investitionen auf 4,7 Milliarden Euro aus. Für 2007 weise die neueste VDEW-Erhebung eine weitere Zunahme auf 5,4 Milliarden Euro aus.

Die Branche setze auf technischen Fortschritt und sorge mit ihren Investitionen für einen Modernisierungsschub. "Jede Investition von heute fördert die Energieeffizienz und dient dem Klimaschutz von morgen", erklärte Brinker. So sei der Brennstoffeinsatz je Kilowattstunde Strom heute nur noch halb so hoch wie in den 50er Jahren. Die Übertragungsverluste seien gleichzeitig um 70 Prozent gesenkt worden. Die Netzverluste seien in Deutschland mit vier Prozent des Verbrauchs nur etwa halb so hoch wie im europäischen Mittel. Die durchschnittliche Unterbrechungsdauer der Stromversorgung habe pro Kunde lediglich 23 Minuten im Jahr betragen, sagte Brinker auf Daten der EU-Kommission für das Jahr 2004. In Großbritannien habe sich die Unterbrechungsdauer beispielsweise auf 87 Minuten, in Spanien auf 124 Minuten und in Polen auf 300 Minuten belaufen. Damit hat Deutschland nach Ansicht des Verbandes das sicherste Stromnetz Europas. "Auf diesen Erfolgen dürfen wir uns nicht ausruhen", betonte Brinker. "Der Weg zu mehr Energieeffizienz wird konsequent fortgesetzt."

Es reiche jedoch nicht, nur die nationale Bilanz zu betrachten. Brinker: "Deutschland ist die Drehscheibe im europäischen Markt. 2007 bietet der deutsche Vorsitz im EU-Ministerrat die einmalige Chance, den Binnenmarkt für Energie voranzubringen." Deutschland könne dabei wichtige Impulse geben. So hätte die deutsche Stromwirtschaft Pionierarbeit geleistet zur Verbesserung des grenzüberschreitenden Stromhandels. Mit Auktionen werde die Nutzung der Kuppelstellen zum Ausland optimiert.

Bei der EU-Außenpolitik könne die Bundesregierung auf breite Zustimmung der Mitgliedsländer setzen. Der wachsende Energiehunger in der Welt habe ganz offensichtlich die Erkenntnis gestärkt, dass die 25 Staaten die Außenpolitik gemeinsam effizienter gestalten können. Brinker: "Mit einem geschlossenen Auftritt wird der Versorgungssicherheit mehr gedient als mit widersprüchlicher Politik."

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