Berechnung

VDEW: Staat verteuert Stromrechnung [Upd.]

Der Staatsanteil an den Stromrechnungen in Deutschland steigt 2006 nach Berechnungen des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) auf 12,4 Milliarden Euro. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) weist die Berechnungen des VDEW scharf zurück.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - 1998, zu Beginn des Wettbewerbs im Strommarkt, habe der Staatsanteil an den Stromrechnungen rund 2,3 Milliarden Euro betragen. Den größten Anteil an den staatlich verursachten Belastungen der Stromrechnungen habe die 1999 eingeführte Stromsteuer. Sie dürfte dem Staatshaushalt 2006 etwa 6,6 Milliarden Euro einbringen, berichtete der VDEW. Etwa 2,9 (1998: 0,28) Milliarden Euro würden die Verbraucher für die Förderung von Ökostrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zahlen. Gut zwei (1998: 2,0) Milliarden Euro entfalle auf Konzessionsabgaben. Diese Zahlungen erhalten Kommunen dafür, dass Straßen und Wege für den Betrieb von Stromleitungen genutzt werden dürfen. Die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung mache 0,8 Milliarden Euro aus.

Für die Haushalte verteuere außerdem noch die Mehrwertsteuer die Stromrechnungen. 2006 werden die Stromkunden nach der VDEW-Schätzung etwa 3,3 (1998: 2,5) Milliarden Euro Mehrwertsteuer zahlen. Durch die Erhöhung des Steuersatzes 2007 dürfte der Betrag dann auf rund vier Milliarden Euro steigen.

"Dieselben Politiker, die auf der einen Seite ständig niedrigere Strompreise fordern, verantworten auf der anderen Seite stetig steigende Staatslasten für die Stromkunden", kritisierte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller. Der Staatsanteil an der Rechnung eines Durchschnittshaushaltes habe 1998 knapp ein Viertel der Stromrechnung ausgemacht und liege inzwischen bei 40 Prozent. Meller forderte mehr Sachlichkeit in der Diskussion um die Energiepreise.

Der Geschäftsführer des BEE, Milan Nitzschke erklärte zu der Darstellung des VDEW, dass der Anteil der Ökostromförderung von 2005 auf 2006 gesunken sei. Dies gelte auch für andere staatlich induzierte Kosten. Nitzschke:" Damit sind die Zahlen, die heute vom Verband der Elektrizitätswirtschaft veröffentlicht worden sind, falsch. Preissteigerungen in diesem Jahr gehen einzig und allein von gestiegenen Kosten für Strom aus Kohle, Gas und Kernenergie und von erheblichen Mitnahmeeffekten der Energiewirtschaft aus."

BEE-Angaben zufolge beträgt die Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien im Jahr 2006 2,1 Milliarden Euro statt der vom VDEW angegebenen 2,9 Milliarden Euro. Pro Kilowattstunde macht dies für den Verbraucher 0,50 Cent aus. Bei einem Endkundenstrompreis von 19,9 Cent pro Kilowattstunde betrage die Förderung damit nur etwa 2,5 Prozent. Die Summe der staatlich induzierten Kosten liege derzeit bei 37,1 Prozent gegenüber 38,8 Prozent auf dem bisherigen Höhepunkt im Jahr 2004. Erneuerbare Energien machten dabei hinter der Kraftwärmekopplung den geringsten Anteil aus.

Nitzschke verwies daruf, dass das Angebot des geförderten Stroms aus Erneuerbaren Energien Preissenkungen an der Leipziger Strombörse und bei Kohlendioxid-Emissionsrechten bewirke. Er bzog sich dabei auf eine aktuell veröffentlichte Studie des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archives (HWWA).

Weiterführende Links
  • Die VDEW-Berechnung in der Übersicht (hier klicken)
  • Die Zahlen des BEE als Grafiken (hier klicken)