Studie

VDEW legt Energiewirtschaftliches Gesamtkonzept 2030 vor

Die Studie soll eine Entscheidungsgrundlage für die Energieversorgung der Zukunft schaffen. In einem ersten Fazit sieht der VDEW unter anderem Technologien zur CO2-Abscheidung bei Kohle-Kraftwerken, eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten und eine angepasste Förderung erneuerbarer Energien als wesentlich an.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - "Wir brauchen in Deutschland parallel zu einer Steigerung der Wirkungsgrade bei der Stromerzeugung aus Kohle schnellstmöglich die Einführung von Technologien zur CO2-Abscheidung bei Kohle-Kraftwerken. Darüber hinaus sind eine weitergeführte und angepasste Förderung der erneuerbaren Energieträger, die verstärkte Förderung der Energieerzeugung aus Klein-Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen sowie verlängerte Laufzeiten der Kernkraftwerke erforderlich.“ Nur auf diese Weise könnten die politischen Vorgaben zur Primärenergieeinsparung, CO2-Emissionsminderung und Effizienzverbesserung erfüllt werden. Dieses erste Fazit zog Werner Brinker, Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), aus den Ergebnissen des "Energiewirtschaftlichen Gesamtkonzeptes 2030".

Eine Erkenntnis aus der Studie 2030 ist laut VDEW, dass Kohle bei gleichzeitiger Zunahme des Anteils von Erdgas bei der Stromproduktion an Bedeutung verliert. Wenn die Kohle als sicherer, heimischer Primärenergieträger weiterhin eine wirtschaftliche Chance haben soll, müssten die Technologien zur Stromerzeugung aus Kohle weiter entwickelt werden.

"Dies und die eingangs genannten Schritte sind aus Sicht der Energiebranche unbedingt notwendig. Denn die vorgesehene CO2-Emissionsminderung wäre derzeit nur mit einer erhöhten Stromproduktion aus Erdgas möglich. Dies würde aber eine steigende Importabhängigkeit im Bereich der Stromerzeugung und zusätzliche Engpässe im Leitungsnetz bedeuten. Diese Option ist also nicht zielführend", sagte Brinker. Erdgas sollte in Deutschland in effizienten KWK-Anlagen bei gleichzeitiger Nutzung der Wärme und nicht in Kondensationskraftwerken eingesetzt werden.

Die vom VDEW initiierte Studie wurde am Mittwoch in Berlin anlässlich der Eröffnung des VDEW-Kongresses vorgestellt. Mehr als 1200 Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft wollen zwei Tage lang zur Energieversorgung der Zukunft diskutieren. Um eine belastbare Basis für den zu führenden Dialog zu erhalten, hat der VDEW mit anderen Partnern vor fast zwei Jahren die wissenschaftliche Studie "Energiewirtschaftliches Gesamtkonzept 2030" entwickelt. Die Institute EWI (Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln) und EEFA (Energy Environment Forecast Analysis GmbH Münster) haben die Studie erarbeitet. Sie beinhaltet vier Szenarien mit jeweils unterschiedlichen Preispfaden.

Darin wird die gesamte Bandbreite der energie- und volkswirtschaftlichen Entwicklungen als Folge energiepolitischer Vorgaben in verschiedenen Handlungsfeldern untersucht. Diese sind Klimaschutz, die Förderung erneuerbarer Energien und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sowie Kernenergienutzung. Dabei wurden die Beschlüsse des Europäischen Rates vom März 2007 für eine integrierte Klimaschutz- und Energiepolitik berücksichtigt.

Neben der sich verändernden "Angebotsseite", der Energieerzeugung, die in der Regel bei entsprechenden Studien im Fokus steht, werden in der vorliegenden Studie in allen Szenarien auch die Rückkopplungen hieraus resultierender Auswirkungen auf der Nachfrageseite - also bei Industrie, Verkehr, privaten Haushalten sowie Handel, Gewerbe, Dienstleistungen - in die Rechnungen mit einbezogen. Die Studie betrachtet zudem nicht ausschließlich Sensitivitäten einzelner Parameter, sondern untersucht in den Szenarien jeweils die Auswirkungen einer Variation der zugrundeliegenden Handlungsfelder. Dies führt im Ergebnis dazu, dass bei bestimmten Voraussetzungen in einigen Szenarien die stromintensive Industrie in Deutschland keine Chance mehr hätte.

Die Szenarien sind wie folgt beschrieben: Umsetzung der EU-Ratsbeschlüsse unter Fortschreibung der derzeitigen Energiepolitik bis 2030 (Szenario I), Balance der energiepolitischen Ziele und Marktmechanismen bis 2030 mit Ausgabe von CO2-Zertifikaten ohne Auktionierung (Szenario II), Annahmen wie Szenario II mit der Sensivität Vollauktionierung von CO2-Zertifikaten (Szenario IIa) sowie die Prioritäten Umweltschutz und Kernenergieausstieg bis 2030 (Szenario III).