Umfrage

VDEW-Kundenfokus: Unzufriedenheit drückt sich nicht in Wechselquote aus

Trotz der anhaltenden Diskussion über hohe Energiepreise haben 2005 nicht mehr Verbraucher den Stromanbieter gewechselt als im Vorjahr. Das teilte Branchenverband VDEW heute - nicht ohne Stolz - mit. Die Ergebnisse stammen allerdings aus einer Umfrage vom Herbst 2005.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Wetzlar - Dass viele deutsche Verbraucher unzufrieden sind mit den momentan sehr hohen Energiepreisen, zeigt sich nicht nur am immer stärker werdenen Widerstand, die steten Erhöhungen kommentarlos zu akzeptieren. Seit den tagelangen Stromausfällen im Münsterland Ende 2005 müsste denn auch klar sein, dass die vielbeschworene Versorgungssicherheit vielleicht doch nicht ganz so gewährleistet ist, wie von der Energiewirtschaft gern verkündet. Und dennoch: Auf die Wechselbereitschaft der deutschen Stromkunden scheint sich das alles nicht auszuwirken, die Quote ist nach wie vor niedrig.

Das jedenfalls geht aus den neusten Zahlen des Branchenverbandes VDEW hervor, die heute im Rahmen des VDEW-Kundenfokus veröffentlicht wurden. Demnach hätten sich wie schon 2004 lediglich fünf Prozent der Haushaltskunden einen neuen Anbieter gesucht. Auch die Unternehmen blieben ihrem Stromanbieter weitgehend treu: 7,1 Prozent der Gewerbekunden wechselten zu einem anderen Versorger. Im Jahr zuvor waren es 6,8 Prozent der Firmenkunden.

VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller sprach daher von einer "bemerkenswerten Entwicklung", da es seit der Liberalisierung des Strommarktes leichter sei, "seinen Stromanbieter zu wechseln als seine Bank". Es gebe offenbar eine hohe Zufriedenheit der Kunden mit ihren Versorgern, schlussfolgerte Meller. Außer Acht ließ er allerdings den Mangel an attraktiven Angeboten.

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Umfrage, auf die sich der VDEW aktuell bezieht, bereits im Herbst 2005 von der Dortmunder promit GmbH unter 1200 Haushalten und 1040 Gewerbekunden durchgeführt wurde. Da war a.) der Zwischenfall im Münsterland noch nicht passiert und b.) hatten die meisten Versorger die zum 1. Januar 2006 vollzogenen Strompreiserhöhungen noch nicht angekündigt.