VDEW fordert marktgerechte Politik

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com
"Deutschland hat sich nach zwei Jahren Marktöffnung zum wettbewerbsintensivsten Strommarkt in der Europäischen Union (EU) entwickelt. Die deutschen Stromversorger haben diesen Umbruch offensiv gestaltet. Es wird Zeit, dass auch die Politik ihrer neuen Verantwortung im veränderten Strommarkt gerecht wird und auf Bevormundungen wie zu Monopolzeiten verzichtet." Das erklärte Günter Marquis, Präsident der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW), Frankfurt am Main, zum Jahresbericht 1999 des Spitzenverbandes.


Die deutschen Stromversorger unterstützten die Initiative der Europäischen Kommission, die bisher ungleichgewichtige Marktöffnung in den Staaten der EU zu beschleunigen und so für mehr Chancengleichheit im Strom-Wettbewerb zu sorgen. Allerdings gebe es gerade in der deutschen Politik zunehmend einen Trend, die Stromversorger und das Produkt "Strom" wettbewerbsverzerrend zu belasten. Als Beispiele nannte der VDEW-Präsident die Ökosteuer, die milliardenschweren Dauersubventionen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das äußerst kompliziert umzusetzende Gesetz zur Subvention der Kraft-Wärme-Kopplung, aber auch den geplanten Ausstieg aus der Kernenergie. Die Dynamik im Strommarkt wird weiter anhalten", erklärte Marquis. Alle Kunden hätten vom Wettbewerb bisher profitiert. So seien die Stromkosten der Industrie, des Gewerbes und der privaten Haushalte 1999 um rund 15 Milliarden (Mrd.) DM gesunken. Marquis: "Die Talsohle bei den Strompreisen ist in den meisten Kundensegmenten inzwischen erreicht oder unterschritten. Die Kunden werden akzeptieren müssen, dass Wettbewerb keine Einbahnstraße zu immer niedrigeren Preisen ist." Außerdem sei es an der Zeit, dass neben dem Thema "Preise" auch wieder die für eine Industriegesellschaft so wichtige Zuverlässigkeit, die Produkt- und Lieferqualität sowie die Energiedienstleistungen im Strommarkt in den Vordergrund rücken.


Die rund 900 Stromversorger in Deutschland steigerten ihren Stromabsatz 1999 im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,7 Prozent. Die Umsätze sanken in einem stagnierenden Markt mit stark fallenden Preisen von 80 auf rund 70 Milliarden DM. 1999 schrumpfte die Zahl der Mitarbeiter weiter um rund 10 000 (1998: 11 000) auf 150 000. Die Produktivität stieg zugleich um 7,4 Prozent auf drei Millionen kWh Stromabgabe je Beschäftigtem. Erzeugt wurden in den Kraftwerken der Stromversorger 1999 rund 458 Milliarden kWh Strom. Wichtigster Energieträger war mit einem Anteil von 35 Prozent die Kernenergie vor Braun- und Steinkohle mit 26 und 25 Prozent.