"Neujahrsanprache"

VDEW fordert Energiekonzept für Europa

"Deutschland sollte 2006 die Chance nutzen, ein Energiekonzept für ganz Europa zu gestalten. Die Bundesregierung muss verstärkt dazu beitragen, dass der Flickenteppich von 25 Einzelmärkten zu einem europäischen Markt zusammen wächst." Das erklärte Werner Brinker, VDEW-Präsident zum Jahreswechsel.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Die europäische Kommission werde Anfang 2006 mit einem "Grünbuch" einen neuen Anstoß für ein energiepolitisches Gesamtkonzept geben. "Deutschland muss sich in die Diskussion des Konzeptes von Anfang an konstruktiv einbringen", forderte Brinker. Die deutsche Elektrizitätswirtschaft wolle den Prozess aktiv begleiten.

Ein europäisches Gesamtkonzept setze ein klares Verständnis der Funktionsweise der verschiedenen nationalen Märkte voraus. Brinker: "Politik und Wirtschaft müssen gleichermaßen verstehen, wie ein Strommarkt von der Erzeugung bis zum Vertrieb funktioniert. Erst dann wird klar, ob mit einer bestimmten Stellschraube der gewünschte Wettbewerbseffekt im europäischen Strommarkt erzielt werden kann."

Die anstehende Diskussion biete eine gute Gelegenheit, die Besonderheiten des Wettbewerbs in der Strombranche aufzuzeigen. "Investitionen in die Stromerzeugung erfordern im Gegensatz zu anderen Produkten hohe und lange Kapitalbindungen, und sie sind oft mit erheblichen Risiken verbunden", erläuterte Brinker. Langfristige Investitionsplanungen seien unsicheren Marktpreisentwicklungen ausgesetzt. Diese Unsicherheiten wirkten über Risikoaufschläge unmittelbar auf die Erzeugungspreise.

"Ein Gesamtkonzept muss den Akteuren im Strommarkt langfristig sichere Rahmenbedingungen bieten", forderte der VDEW-Präsident. "Spezifische Risiken wie die hohen Investitionen müssen für die Unternehmen kalkulierbar sein. Nur so kann erreicht werden, dass die Potentiale für Kosteneinsparungen nicht durch risikobedingte Preisaufschläge aufgezehrt werden."

Der Wettbewerb im europäischen Strommarkt müsse ebenso wie im nationalen Rahmen an den Zielen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie Umweltverträglichkeit gemessen werden. "Diese Ziele sind gleichrangig. Sie müssen im Sinne nachhaltiger Energiepolitik stets in der Balance gehalten werden", betonte Brinker.