Gesamtkonzept erforderlich

VDE-Studie zeigt Defizite in europäischer Energieforschung

Laut der heute vorgestellten VDE-Studie "Energieforschung 2020" gibt Japan siebenmal so viel Geld für Energieforschung aus wie Deutschland. Damit lasse sich der derzeitige Spitzenplatz der Industrie in der Energietechnik nicht halten, zudem fehle Deutschland ein energietechnisches Gesamtkonzept.

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Frankfurt/Main (red) - Im internationalen Vergleich schneiden Deutschland und Europa bei der Energieforschung schlecht ab. Während Japan für die Energieforschung pro Kopf der Bevölkerung über 30 US-Dollar ausgibt und die USA 10 Dollar, sind es in Deutschland nur 6,20 Dollar. Mit jährlich 3,9 Milliarden US-Dollar investiert Japan 7,6-mal so viel Geld in Energieforschung wie Deutschland, die USA investieren absolut fast sechsmal so viel wie die Bundesrepublik. Wie die VDE-Studie "Energieforschung 2020" feststellt, werden in der EU vom gesamten Forschungs- und Entwicklungsetat nur drei Prozent für Energiefragen ausgegeben, in Deutschland sind es immerhin 8 Prozent.

"Spitzenplatz lässt sich nicht halten"

Noch nimmt die deutsche industrielle Energietechnologie im internationalen Vergleich nach einer Umfrage unter den 1.250 VDE-Mitgliedsunternehmen einen Spitzenplatz ein. "Mit den derzeitigen Mitteln für die Energieforschung können wir weder den Spitzenplatz der deutschen Industrie in der Energietechnik halten, noch die Sicherheit der Energieversorgung langfristig gewährleisten", so Prof. Wolfgang Schröppel, Vorsitzender der Energietechnischen Gesellschaft im VDE und Mitglied im VDE-Präsidium.

Energiepolitik, Energietechnologie und Energieforschung sind laut Schröppel strategische Hebel für die Wirtschaftspolitik und die Prosperität Deutschlands und Europas. Die im Koalitionsvertrag für die Energieforschung ursprünglich vorgesehenen Mittel von jährlich etwa 400 Millionen Euro bewertet der VDE als unzureichend, erforderlich sei eine "kontinuierliche Erhöhung der Forschungsmittel" in den nächsten fünf Jahren auf rund eine Milliarde Euro, fordert Schröppel.

Bisher kein energiepolitisches Gesamtkonzept

Grundlage für die Vergabe und den Einsatz der Gelder muss laut VDE ein konsistentes, langfristig angelegtes energiepolitisches Gesamtkonzept sein, dass es bisher nicht gebe. Grund dafür sei die Zersplitterung der Zuständigkeiten, so ist die Energieforschung auf vier Ministerien verteilt: Wirtschaftsministerium (fossile Energieträger und korrespondierende Technologien), Umweltministerium (erneuerbare Energien, Aufsicht über Kernenergietechnologien), Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (Energietechnologien mit Biomasse), Ministerium für Bildung und Forschung (Grundsatzfragen und Koordinierung). Von einer einheitlichen und strategisch ausgerichteten Energiepolitik und Energieforschung könne unter diesen Umständen keine Rede sein.

In seiner Studie formuliert der Verband Eckpunkte für ein Gesamtkonzept zur nachhaltigen, sicheren und umweltverträglichen Energieversorgung. Demnach müssen die Grundzüge eines Energiemixes für die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte, Grenzwerte für die Importabhängigkeit bei Energieträgern sowie Energiesparziele und Kennwerte für die Energieeffizienz festgelegt werden. Für die Forschung sei ein Rahmenprogramm für das nächste Jahrzehnt nötig sowie eine zuverlässige und langfristige Bereitstellung der Finanzmittel.

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