Jahrestagung

VBEW: Stromwettbewerb führt zu "gigantischem Strukturwandel"

Die bayrische Elektrizitätswirtschaft hat sich kürzlich zur Jahrestagung in Landshut getroffen. Neben einem politischen und wirtschaftlichen Rundumschlag wurde auch ein neuer Vorsitzender gewählt.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
"Der Wettbewerb funktioniert, einige Anlaufschwierigkeiten sind aber noch zu überwinden." Dies war die einhellige Meinung der Teilnehmer des Energie-Forums mit dem Thema "Drei Jahre liberalisierter Strommarkt - eine Bilanz", das der Verband der Bayerischen Elektrizitätswirtschaft (VBEW) anlässlich seiner Jahrestagung in Landshut veranstaltet hat.


Dabei sprach sich insbesondere der bayrische Wirtschaftsminister Dr. Otto Wiesheu dagegen aus, dass Deutschland ein reines Stromhandelsland wird, in dem Kraftwerke geschlossen werden: "Solche Regelungen führen in die Sackgasse, der Strom muss da erzeugt werden, wo er verbraucht wird." Gleichzeitig wehrte er sich gegen eine stärkere Regulierung und gegen weitere staatliche Sonderlasten. Auch Helmut Lutz, Leiter der bayrischen Landeskartellbehörde, kann die Notwendigkeit einer Regulierungsbehörde nicht erkennen: "Ich sehe zwar noch Handlungsbedarf für die Kartellbehörde, aber keinen Bedarf für eine Systemänderung." Besonders die Netznutzungsentgelte müssten jedoch weiterhin von den Kartellämtern überwacht werden.


Dr. Peter Deml, designierter Vorstandsvorsitzender der E.ON Bayern AG und künftiger Vorsitzender des VBEW, richtete die Aufmerksamkeit auf den "gigantischen Strukturwandel in den Unternehmen". Es gebe in Bayern fast kein Stadtwerk mehr, das sich nicht in einer Allianz befinde. Parallel dazu investierten die Energieversorger Millionen Mark in neue Informationsverarbeitungsprogramme, die vor der Liberalisierung einfach nicht nötig gewesen seien. Deml: "Das braucht alles seine Zeit." Dabei machten den Teilnehmern des Energie-Forums auch die politischen Kosten Sorgen. Die Bundesregierung mache die Liberalisierungsgewinne durch neue politische Sonderlasten auf den Strompreis wieder weitgehend zunichte, kritisierte Wiesheu. "Das ist der falsche politische Weg." 60 Prozent der Strommengen seien vom freien Wettbewerb wieder ausgenommen. Die Branche dürfe nicht als Packesel für Sonderabgaben missbraucht werden, schloss sich Günter Marquis, Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft und Vorstandsmitglied der Lech-Elektrizitätswerke AG, an.


Zugleich wurde Dr. Peter Deml als neuer Vorsitzender des Verbands der bayerischen Elektrizitätswirtschaft gewählt. Neben dem Vorsitzenden haben die 223 Mitglieder in Landshut den gesamten vierzehnköpfigen Vorstandsrat für drei Jahre neu gewählt. Stellvertretender VBEW-Vorsitzender und damit Mitglied des dreiköpfigen Vorstands ist Herbert Dombrowsky, Mitglied des Vorstands der N-ERGIE AG in Nürnberg. Zweiter stellvertretender Vorsitzender und Vorstand wird Ewald Geis, technischer Werkleiter der Stadtwerke Bad Neustadt an der Saale.