AKW Krümmel

Vattenfall will mit "gläsernen Kraftwerk" Vertrauen zurückgewinnen

Einen Monat nach dem Störfall im AKW Krümmel gewährte Vattenfall am Freitag Medienvertretern erstmals Zutritt zur Brandstelle. Nach Wochen der Kritik will der Betreiber verlorenes Vertrauen durch die Präsentation eines "gläsernen Kraftwerks" zurückgewinnen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Krümmel (ddp-nrd/sm) - Der Trafo wird seit einer Woche in seine Einzelteile zerlegt und von der Reaktoraufsichtsbehörde, Versicherungen sowie vom Betreiber untersucht, wie Bereichsleiter Heiner Sengstake erläutert. Die große Hitze, mit der Pappe, Isolierungen aus ölgetränktem Papier und 70 Tonnen ausgelaufenes Öl in Flammen aufgingen, macht die Ursachenforschung aufwendig. "Ob wir die genaue Ursache überhaupt jemals klären werden, lässt sich jetzt noch gar nicht sagen."

Auch zu einer möglichen Vorschädigung lasse sich noch nichts sagen. Der Schaden sei im Trafoinnern entstanden "und nicht im Außenbereich, dass man hätte etwas erkennen können". Die Atomanlage sei so ausgelegt, dass ein Trafobrand die Sicherheit nicht gefährde. So gebe es "definitiv" keine Kabelverbindung zu dem etwa 60 Meter entfernten Reaktorgebäude. "Sie können davon ausgehen, dass für die Anlage nie die Frage der Sicherheit gestanden hat. Es ist ja auch nicht so, dass wir jetzt Angst hätten", versichert Sengstake.

Der Trafo ist so alt wie das AKW Krümmel, das 1983 in Betrieb ging. "Trafos wie dieser haben eine Lebensdauer von 40 Jahren und mehr, und wenn sie richtig betrieben sind, halten sie ein Leben lang", sagt der Techniker.

Vorsichtig wird Sengstake dann bei der Frage, für wie sicher er das AKW Krümmel insgesamt halte. "Muss ich das jetzt sagen?", wendet er sich Hilfe suchend an Vattenfall-Sprecher Ivo Banek. "Müssen Sie nicht", antwortet dieser. Und so verweist Sengstake auf Berechnungen zu anderen Atommeilern, die diesen mögliche Laufzeiten von bis zu 60 Jahren bescheinigen. Das hieße noch 36 Jahre für Krümmel. "Technisch würde ich das für möglich halten, aber politisch sage ich dazu nichts."

Auch im Trainingssimulator mit der nachgebildeten Steuerwarte der Reaktorzentrale erhalten die Medienvertreter ausweichende Antworten. "Ich werde keine Äußerungen zum Ereignis selbst machen, das ist so vereinbart", sagt Ausbildungsleiter Joachim Thurm. Die neben ihm im Regal stehenden 27 Ordner des aktuellen Betriebshandbuchs sind offenbar lückenhaft, wie der Störfall am 28. Juni gezeigt hat, als der Reaktorfahrer den Reaktordruck ohne nochmalige Rücksprache mit dem Schichtleiter schneller als nötig abgesenkt hatte. Dieser Fall werde zwar trainiert, sagt Sprecher Banek, eine konkrete Anweisung im Handbuch gebe es aber bislang nicht. "Übrigens ein Problem aller Betreiber."

Ebenfalls zurückhaltend sind auch die Mitglieder des von Vattenfall eingesetzten und Expertengremiums. Die meisten von ihnen sind Atomspezialisten wie der Münchener Reaktorexperte Adolf Birkhofer. Er hält die momentane Diskussion über die Laufzeiten deutscher AKW für "überhitzt, weil sie von der eigentlichen Frage eher ablenkt, was tatsächlich passiert ist". Aber die Pannenserie in den AKW "hat mich schon überrascht, ja", gesteht er und verschwindet.