Krümmel und Brunsbüttel

Vattenfall will Lücken im Krisenmanagement schließen

Als Konsequenz aus dem Zwischenfall im schwedischen Atommeiler Forsmark und den Pannen in Krümmel und Brunsbüttel will Vattenfall durch den Einsatz von Experten Lücken in seinem Krisenmanagement schließen. Greenpeace forderte dagegen einen Lizenzentzug für den Betreiber und die sofortige Schließung beider Meiler.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Krümmel (ddp/sm) - Ein Termin für das Wiederanfahren der beiden Meiler in Schleswig-Holstein sei derzeit völlig offen, sagte der Geschäftsführer des Betreibers Vattenfall Europe Nuclear Energy, Ernst Michael Züfle, am Montag in Krümmel. Grund für die weitere Verzögerung seien umfangreiche Arbeiten an Schwerlastdübeln sowie Risse in Armaturen aus dem Reaktorgebäude, die erst während der laufenden Arbeiten bei der Revision entdeckt worden seien, sagte Züfle.

Er musste auf Nachfrage einräumen, dass die ersten schadhaften Armaturen bereits im vorigen August erstmals entdeckt worden seien. Dennoch hatte eine von Vattenfall nach den Abschaltungen vom 28. Juni eigens eingesetzte Expertenkommission im Herbst grünes Licht für ein Wiederanfahren gegeben.

Arbeiten werden noch lange andauern

Vor allem das Sanieren der Armaturen wird möglicherweise noch einige Monate in Anspruch nehmen. Dabei handelt es sich Züfle zufolge um Absperrvorrichtungen aus dem Rohrleitungssystem des Wasserdampfkreislaufs und der Sicherheitssysteme im Reaktorbereich, in deren Oberfläche durch Korrosion Rissen entstanden. Allein in Krümmel sind 43 der insgesamt 62 Armaturen reparaturbedürftig. 13 dieser meterhohen Bauteile im radioaktiven Bereich müssen durch ein aufwendiges Schweißverfahren aufgearbeitet werden. Dies braucht für eine einzige Armatur zwei Wochen; die Arbeiten dazu laufen seit etwa vier Wochen. In Brunsbüttel müssen so 15 von 57 Armaturen saniert werden, sieben weitere Bauteile werden noch untersucht.

Wegen des unsachgemäßen Einbaus der Schwerlastdübel wurden den Angaben zufolge in Krümmel bereits 230 Dübel ausgetauscht, 40 weitere sind nach derzeitigem Erkenntnisstand bis zum Wiederanfahren noch erforderlich. In Brunsbüttel wurden bislang 50 Dübel ausgetauscht, hier müssen noch 300 ersetzt werden.

Greenpeace fordert Abschaltung der Meiler

Vattenfall-Vorstand Reinhardt Hassa entschuldigte sich nochmals für die Fehler bei der Kommunikation nach außen. Für eine bessere Information der Öffentlichkeit soll künftig Per-Olof Waessmann als Chief Nuclear Officer auf dem neu geschaffenen Direktorenposten für Reaktorsicherheit agieren.

Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital kritisierte, dass Vattenfall die Kraftwerke im vergangenen Jahr wieder habe anfahren wollen, obwohl die Risse in den Armaturen bereits bekannt gewesen seien. Der Betreiber sei nicht in der Lage, die Risiken seiner eigenen Anlagen und ihrer technischen Probleme einzuschätzen. Die Risse seien keine Einzelfälle, sondern entstünden durch den normalen laufenden Betrieb. Diese Problematik weite sich offenbar zu einer "größeren Geschichte" aus, die möglicherweise alle Kernkraftwerke betreffe.