Bis Ende 2011

Vattenfall will längere Laufzeiten für Atomkraftwerk Brunsbüttel (Upd.)

Vattenfall will das Atomkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nicht wie geplant bis 2009, sondern bis etwa Ende 2011 betreiben. Damit leiste man einen Beitrag zum Klimaschutz. Umweltverbände kritisierten die Ankündigung des Konzerns. Das AKW Brunsbüttel sei "das größte Sicherheitsrisiko in Norddeutschland".

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der Stromkonzern Vattenfall will das AKW Brunsbüttel in Schleswig-Holstein bis 2011 am Netz lassen. Laut dem Atomkonsens sollte das AKW bereits 2009 abgeschaltet werden. Wie das Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte, habe man beim Bundesumweltministerium die Übertragung von 15 Milliarden Kilowattstunden aus dem Reststromkontingent des AKW im rheinland-pfälzischen Mülheim-Kärlich beantragt. Noch verfügt das AKW Brunsbüttel über eine Reststrommenge von rund 13 Milliarden Kilowattstunden. Diese wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2009 verbraucht sein.

Das Atomgesetz ermöglicht es, einem Kraftwerk zugeteilte Reststrommengen von einem alten auf einen neuen Reaktor zu übertragen. Der umgekehrte Weg bedarf der Zustimmung des Bundesumweltministeriums. Dies sei bei dem AKW aus dem Jahr 1977 der Fall. Mülheim-Kärlich ist nie ans Netz gegangen. Rot-Grün hatte dem AKW damals aber trotzdem eine eigene Reststrommenge zugewiesen.

Vattenfall begründet Laufzeitverlängerung mit Klimaschutz

Der Stromkonzern begründete den Antrag damit, dass ein längerer Betrieb des AKW Brunsbüttel "ein Beitrag zum Klimaschutz" sei. Klaus Rauscher, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe, sagte, allein durch das AKW Brunsbüttel würden jährlich sechs Millionen Tonnen CO2-Ausstoß vermieden. Dies entspreche einem Steinkohlekraftwerk. Eine längere Laufzeit würde zudem Synergieeffekte bei Wirtschaftlichkeit und Sicherheit schaffen, weil so ein paralleler Betrieb zum zweiten Vattenfall-Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg möglich sei.

Man erwarte, dass das Umweltministerium nur "auf der Grundlage des Gesetzes" und nicht "nach politischen Opportunitätserwägungen" entscheiden werde, sagte Rauscher. Vattenfall wolle mit diesem Antrag keine "generelle Laufzeitverlängerung" erreichen. Rauscher räumte allerdings ein, dass man als Atomkraftwerkbetreiber natürlich "ein Interesse an der Weiternutzung der Kernenergie in Deutschland" habe. Das Umweltministerium bestätigte den Eingang des Vattenfall-Antrags. Zur Dauer der Prüfung wollte das Ministerium keine Angaben machen.

Umweltverbände gegen Laufzeitverlängerung

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierte den Vattenfall-Konzern für das Vorhaben. Das Argument, das AKW schütze das Klima, sei fadenscheinig. Der BUND brandmarkte den Stromkonzern als einen "unzuverlässigen Anlagenbetreiber". Die Behauptung des Unternehmens, in Brunsbüttel seien Störfalle wie der im schwedischen AKW Forsmark vom Juli 2006 ausgeschlossen, habe sich im Nachhinein als falsch erwiesen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bezeichnete das vor den Toren der Stadt Hamburg gelegene Kraftwerk als "das größte Sicherheitsrisiko in Norddeutschland". Auch die Vereinigung "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW) kritisierte die Ankündigung von Vattenfall. Es sei "eine neue Lüge der Energiekonzerne", wenn diese die Atomenergie als für den Klimaschutz notwendige "Brücke" auf dem Weg ins Solarzeitalter bezeichnen, erklärte die IPPNW.

Auch RWE und EnBW wollen Kraftwerke länger am Netz lassen

Vattenfall ist nach den Energiekonzernen RWE und EnBW der dritte der vier deutschen Atomkraftwerksbetreiber, der einen seiner Reaktoren länger am Netz lassen will. Erst Ende vergangener Woche war berichtet geworden, dass Umweltbundesminister Sigmar Gabriel (SPD) den Antrag des Energiekonzerns RWE auf eine Laufzeitverlängerung des ältesten deutschen Atomkraftwerks Biblis A in Hessen abgelehnt hatte. Über einen zweiten Antrag, die Reststrommengen eines anderen Reaktors auf Biblis zu übertragen, sei hingegen noch nicht entschieden. Ende vergangenen Jahres hatte der Energiekonzern EnBW eine Laufzeitverlängerung für sein baden-württembergisches Atomkraftwerk Neckarwestheim I gestellt.