Preiserhöhungen

Vattenfall-Vorstand entschuldigt sich und stoppt Briefzustellung

Die Briefe, mit denen der Energieversorger Vattenfall in den letzten Wochen seine Kunden über die bevorstehende Tarifumstellung informierte, wurden als unvollständig und schwer verständlich kritisiert. Nun entschuldigt sich das Unternehmen, dass einige Dinge "missverständlich" ankamen und stellt die Infos richtig.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp-bln/sm) - Der Vorstandssprecher von Vattenfall Europe Berlin, Hans-Jürgen Cramer, entschuldigt sich für die umstrittene Briefkampagne seines Unternehmens zu Stromtarif-Umstellungen. "Wir haben nicht den besten Job gemacht", sagte Cramer am Donnerstag in Berlin. Die Aussendung an alle Kunden werde sofort gestoppt, fügte er hinzu. Stattdessen solle es am kommenden Mittwoch in allen Berliner und Hamburger Tageszeitungen Anzeigen mit Richtigstellungen und überarbeiteten Informationen geben.

Vattenfall hatte in den vergangenen Wochen begonnen, an seine 1,7 Millionen Berliner Kunden Briefe zu ab 1. Juli beginnenden Tarifumstellungen zu versenden. Bürger und Verbraucherschützer kritisierten unvollständige und teilweise schwer verständliche Darlegungen.

Besonders umstritten war ein parallel angebotener Haushaltsschutz-Brief. Diese, allerdings nur bei einem Tarif offerierte Police, würde jetzt mit dem Verbraucherschutz geprüft. Cramer: "Bislang glauben wir aber, dass es keine finanziellen Risiken gibt." Ein Rückzug des Schutzbrief-Angebotes werde nur vorgenommen, "sollte sich herausstellen, dass es juristische Bedenken gibt". Kritische Reaktionen bisher hätten ihn "überrascht". Eigentlich sei der Brief "als tolles Obenauf" gedacht.

Cramer räumte ein, Teile der so genannten Informationsbriefe zum neuen Tarifsystem und damit einhergehende Preissteigerungen wären ungenügend dargestellt gewesen, schränkte aber ein: "Ich bin davon ausgegangen, dass der Kunde mündig ist." Nun jedoch habe er zur Kenntnis nehmen müssen, dass Dinge missverständlich angekommen sind. Bislang seien 500 000 bis 600 000 Briefe noch nicht verschickt worden.

Cramer betonte, er wisse, dass es sich bei den Preiserhöhungen für Strom um eine Thematik handele, "die die Stadt berührt. Verantwortlich seien allerdings gestiegene Steuern und Abgaben, sie machten derzeit 43 Prozent des Strompreises aus." Im Jahr 1998 hätte dieser Anteil noch zwischen 17 und 18 Prozent gelegen. Trotzdem habe Vattenfall bei den anstehenden Preiserhöhungen den möglichen Rahmen "nicht voll ausgeschöpft". Vielmehr sei die Erhöhung im Vergleich zu Mitbewerbern moderat.

Cramer, der in Berlin Vertriebsvorstand ist, kündigte zudem eine Kulanzregelung für die bevorstehende Tarifumstellung an. Neuer Stichtag für Kündigungen sei statt dem 1. Juli der 31. August. Zwar wäre eine vorgeschriebene Informationsspanne mit ersten Zeitungsanzeigen vom 15. Mai eingehalten worden, die Kulanz wolle man aber angesichts der jüngsten Irritationen einräumen.

Die Verbraucherzentrale Deutschland reagierte auf die Vattenfall-Äußerungen mit Unmut: "Das ist der größte Worst Case einer Kommunikationsstrategie. Andererseits ändert es nichts an den Preiserhöhungen an sich", sagte Holger Krawinkel, Fachbereichsleiter Bau und Energie. "Nach wie vor gilt - die Kunden sollen sich den günstigsten Versorger aussuchen."