Kein Zusammenhang

Vattenfall vermutet Vorschaden des Trafos in Krümmel

Die Zusammenhänge zwischen dem Störfall im AKW Krümmel und der vorangegangenen Schnellabschaltung des Meilers Brunsbüttel sind weiter ungeklärt. Vattenfall-Sprecher Ivo Banek trat am Freitagabend dem Eindruck entgegen, dass das Herunterfahren von Brunsbüttel direkt ursächlich für den Brand in Krümmel gewesen sein könnte.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Zwar habe der Trafo in Krümmel offenbar einen unerkannten Defekt aufgewiesen, doch wegen der zeitlichen Differenz von einer Stunde und 40 Minuten könne ein Netzeffekt zwischen beiden Ereignissen ausgeschlossen werden, sagte der Vattenfall-Sprecher der Nachrichtenagentur ddp. Banek präzisierte damit Angaben von Vattenfall-Geschäftsführer Bruno Thomauske vom Nachmittag. Vattenfall sei sich sicher, dass die Vorschädigung des Trafos nicht ausgereicht habe, um den Brand von außen auszulösen.

"Ein Trafo ohne Vorschädigung hätte ein Ereignis wie Brunsbüttel verkraften müssen", sagte Thomauske. Die Netzsituation sei an diesem Tage "nicht auffällig" gewesen. Zur Klärung soll der Trafo nun komplett zerlegt werden. Es könne jedoch Monate dauern, ehe gesicherte Erkenntnisse vorlägen. "Relativ unplausibel" ist Thomauske zufolge der Umstand, dass es eine Stunde und 40 Minuten nach der Schnellabschaltung von Brunsbüttel zum Trafobrand und der Schnellabschaltung von Krümmel kam. Dies sei "in der Tat überraschend".

Während der Schnellabschaltung von Krümmel ereignete sich Thomauske zufolge zudem eine Reihe weiterer Pannen. So habe der Reaktorfahrer eine Anweisung des zuständigen Schichtleiters falsch interpretiert und den Reaktor schneller als erforderlich in den drucklosen Zustand überführt. Diese Eile sei nur "für deutlich gravierendere Störfälle" vorgesehen. "Man hätte das deutlich langsamer machen können", sagte Thomauske. Ausreichend wären ein bis zwei Tage gewesen. Der Reaktorfahrer habe den Schichtleiter "so verstanden, dass er es sofort machen sollte und nicht noch einmal rückgefragt. Es erschien ihm plausibel." Jetzt müsse geklärt werden, warum der Reaktorfahrer subjektiv so gehandelt habe.

Nach dem Brandausbruch im Trafo waren die Mitarbeiter im Schaltanlagengebäude eine halbe Stunde lang dem beißenden Qualm ausgesetzt. Erst dann sei das Umluftsystem wieder eingeschaltet worden. Eine Reihe von Mitarbeitern habe über Atemwegs- und Schleimhautreizungen geklagt. Während des Zwischenfalls seien wichtige Daten in den Rechnersystemen des AKW Krümmel verloren gegangen. Der Verlust betreffe unter anderem Informationen zur Zeitabfolge des Störfalls.

Nach Angaben Thomauskes bleibt der Reaktor Krümmel vom Netz, bis die Untersuchungen und die für den Sommer vorgesehene planmäßige Jahresrevision vollständig abgeschlossen sind. Den Meiler in Teillast wieder anzufahren lohne nicht. Die Aufräumarbeiten sollen den Angaben zufolge drei Wochen dauern, dann seien nochmals bis zu sechs Wochen erforderlich, den neuen Trafo einzubauen.

Gleichzeitig räumte der Vattenfall-Geschäftsführer Fehler bei der Informationspolitik ein. Weil nach einer Schnellabschaltung des Reaktors 2005 kein Medieninteresse bestanden habe, sei jetzt das Interesse der Öffentlichkeit unterschätzt worden.