Strom-News
VerhandlungenDie beiden deutschen Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall werden entgegen früheren Planungen vorerst weiter stillstehen. Indes bleibt weiter fraglich, ob der Reaktor in Brunsbüttel überhaupt wieder hochgefahren wird.
Berlin (dapd/red) - "Das AKW Krümmel wird während der Gespräche mit E.ON nicht wieder ans Netz gehen", sagte der Chef der Vattenfall-Deutschlandsparte, Tuomo Hatakka, am Dienstag zu Dow Jones Newswires.
Die beiden Konzerne verhandeln derzeit über die Betriebsführerschaft der beiden AKW. "Zielsetzung ist, die Gespräche spätestens zur Jahresmitte zu beenden", sagte Hatakka. Krümmel, an dem die Konzerne je hälftig beteiligt sind, sollte letzten Planungen zufolge im ersten Quartal wieder ans Netz gehen.
Als die Gespräche zwischen E.ON und Vattenfall bekannt wurden, hatte ein E.ON-Sprecher bereits von "möglichen Veränderungen in der Eigentümerstruktur" gesprochen. Auch Hatakka wollte das am Rande der vom "Handelsblatt" veranstalteten "Jahrestagung Energiewirtschaft 2011" nicht ausschließen, sagte aber: "Vattenfall wird mit Sicherheit Anteilseigner an beiden Reaktoren bleiben."
Bei Brunsbüttel, wo Vattenfall zwei Drittel der Anteile hält und E.ON den Rest, war schon bei Bekanntgabe der Verhandlungen im Dezember ein Wiederanfahren im zweiten Halbjahr avisiert worden. Allerdings scheint noch nicht festzustehen, ob der Reaktor überhaupt wieder ans Netz geht. Laut Hatakka soll die Wirtschaftlichkeit der Anlage genau geprüft werden.
Bei der Laufzeitverlängerung hatte Brunsbüttel als älterer Reaktor acht weitere Jahre zugestanden bekommen. Die von der Bundesregierung gleichzeitig eingeführte Brennelementesteuer fällt bis 2016 an. Krümmel als jüngeres Kraftwerk darf 14 Jahre länger laufen. "Wir gehen davon aus, dass der Reaktor trotz der Steuer profitabel betrieben werden kann", sagte Hatakka.
Der Konzern sieht das Kohle-Kraftwerk Hamburg-Moorburg bei einem Regierungswechsel in der Stadt nicht in Gefahr. "Wir gehen davon aus, dass Moorburg auch bei einem Regierungswechsel in Hamburg realisiert werden kann", sagte Hatakka. Der Start des in Hamburg-Moorburg geplanten Steinkohlekraftwerks mit einer Leistung von 1.600 Megawatt, das ursprünglich schon 2011 in Betrieb gehen sollte, wurde wegen eines Streits um Umweltauflagen auf 2012 verschoben. "Moorburg wird in der zweiten Jahreshälfte 2012 ans Netz gehen", sagte Hatakka.
In Hamburg sind für 20. Februar Neuwahlen angesetzt. Derzeit deuten die Umfragen auf einen Sieg von SPD und Grünen hin. Dieser bevorstehende Wandel der politischen Landschaft macht Hatakka offiziell keine Sorgen in Hinsicht auf die 2014 auslaufende Konzession für das Stromnetz der Hansestadt. "Wir gehen davon aus, dass wir Stromnetzbetreiber in Hamburg bleiben", sagte er. Die Stadt hatte 2009 ein neues Stadtwerk gegründet und will die Energieversorgung wieder in die eigene Hand nehmen.
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Greenpeace prangert Vattenfall an, mit seiner "Hamburg tankt grünen Strom"-Kampagne die Verbraucher zu täuschen. Kritikpunkte: In ganz Hamburg gibt es nur zwei Tanksäulen für den Vattenfall-Autostrom. Zudem wolle der Konzern mit der Ökostrom-Werbung lediglich sein Image reinwaschen.
Wie über 500 andere Stromversorger erhöht auch der Berliner Energiekonzern Vattenfall zum Jahresbeginn seine Strompreise. Privatkunden zahlen 9,9 Prozent mehr für ihren Strom, Gewerbekunden 11 Prozent. Der monatliche Grundpreis bleibt den Angaben zufolge stabil. Vattenfall ist in Berlin Strom-Platzhirsch.
Um die Betriebserlaubnis des umstrittenen Atomkraftwerks Brunsbüttel ist ein juristischer Streit entbrannt. Ein von den Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten der Umweltrechtlerin Cornelia Ziehm kommt zu dem Schluss, dass die Betriebserlaubnis des nach einer Panne seit Sommer 2007 stillstehenden Meilers abgelaufen ist.
Die SPD sieht die mögliche Übergabe der Verantwortung in den beiden Vattenfall-Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel an E.ON als Anfang vom Ende der Kernenergie in Deutschland. Zudem falle ins Gewicht, dass Baden-Württemberg gerade auf dem Weg sei, den dortigen Versorger EnBW zu verstaatlichen.
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