Mehr als 60 Seiten

Vattenfall legt Nachweise für Notstromversorgung in Brunsbüttel vor

Die Zwischenfälle im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark I Ende Juli sind offenbar nicht auf den Atommeiler Brunsbüttel übertragbar. Das geht aus einem Bericht der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH (VENE) an die schleswig-holsteinische Atomaufsicht hervor.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Brunsbüttel/Kiel (ddp-nrd/sm) - Der mehr als 60 Seiten umfassende Bericht sei am Mittwochabend fristgerecht im zuständigen Kiler Sozialministerium eingegangen und sogleich an das Bundesumweltministerium übermittelt worden, wie eine Sprecherin heute mitteilte. Die Atomaufsichtsbehörde habe jedoch bei der technischen Beschreibung der Stromversorgung im Bericht eine Unstimmigkeit festgestellt. Die Betreiberin habe eine sofortige Berichtigung zugesagt.

Die Sicherheit der Notstromversorgung im Kernkraftwerk Brunsbüttel ist laut Vattenfall allein durch das Unabhängige Notstandssystem (UNS) in allen Fällen gewährleistet. "Ein Ablauf wie bei dem Ereignis in Forsmark war und ist ausgeschlossen", sagte Bruno Thomauske, Geschäftsführer des Brunsbüttel-Betreibers VENE in Hamburg.

Vattenfall hat nach Angaben von Thomauske in den vergangenen drei Wochen untersucht, wie sich derartige Überspannungen auf das Brunsbütteler Notstromsystem auswirken könnten. Die Versuche, Messungen und Simulationen von externen Experten haben ergeben, dass eine Überspannung im Notstromsystem des Meilers "in keinem Fall zu einer Abschaltung oder zum Ausfall von Wechselrichtern führen kann", betonte Thomauske. Damit könne der gleichzeitige Ausfall von Wechselrichtern nach einem Kurzschluss im Netz und Überspannung, wie in Forsmark geschehen, ausgeschlossen werden. Die Bewertung liege jetzt bei der Aufsichtsbehörde.

Der Bericht enthält laut Ministerium umfangreiche Darstellungen zur Notstromversorgung und zu den Auswirkungen einer Überspannung aus dem Stromnetz auf die Stromversorgung. Das Gesamtpapier einschließlich Anlagen werde nun von der Aufsichtsbehörde und den beauftragten unabhängigen Sachverständigen mit höchster Priorität geprüft und bewertet. Die Atomaufsichtsbehörde habe jedoch bei der technischen Beschreibung der Stromversorgung im Bericht eine Unstimmigkeit festgestellt. Die Betreiberin habe eine sofortige Berichtigung zugesagt.

Die in dem Bericht behandelten Fragen hatten sich aus dem Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark ergeben. Dort hatten am 25. Juli nach einem Kurzschluss im externen Stromnetz Teile der Notstromversorgung versagt. Ursache war eine kurzzeitige elektrische Überspannung im internen Stromnetz des Kraftwerkes. Brunsbüttel war in die Kritik geraten, nachdem die Deutsche Umwelthilfe ähnliche Mängel wie in Forsmark ausgemacht hatte. In dem schwedischen Reaktor wird ebenso wie in Brunsbüttel im Notfall der Strom für die Kühlpumpen über Wechselrichter erzeugt. Diese waren in Forsmark ausgefallen.

Bereits am Dienstag hatten Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood mit einer Protestaktion die Schließung des Meilers gefordert. Vier Mitglieder erklommen einen Strommast am AKW-Gelände und entrollten dort in etwa 25 Meter Höhe ein Transparent mit der Aufschrift "Noch mehr Störfälle???". Gleichzeitig forderte Robin Wood die Atomaufsicht des Landes auf, AKW-Betreiber Vattenfall "wegen unzureichender Zuverlässigkeit und mangelnder Fachkunde" die Betriebsgenehmigung zu entziehen und den Meiler stillzulegen.

Von Daniela Schmitz und Jana Werner