"Klima-Killer"

Vattenfall legt Grundstein für neuen Kraftwerksblock in Boxberg

Vattenfall legte gestern in der Lausitz der Grundstein für einen vierten Kraftwerksblock, der ab 2010 Strom aus Braunkohle erzeugen soll. Während Ministerpräsident Georg von einem "guten Tag für die Lausitz" sprach, nannte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) den Erweiterungsbau einen "neuen Klima-Killer".

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Boxberg (ddp/sm) - Der Energiekonzern Vattenfall Europe baut seinen Standort Boxberg aus, gestern begann der Bau des vierten Kraftwerksblocks. Vattenfall-Vorstandschef Klaus Rauscher nutzte die Gelegenheit zu heftiger Kritik an der Bundesregierung. Durch sie hätten sich die Rahmenbedingungen für den Konzern seit dem Energiegipfel 2006 "dramatisch verschlechtert". Politisch sei keine Gelegenheit ausgelassen worden, Investitionen "zu einem Roulettespiel" zu machen. Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sicherte Vattenfall den weiteren Einsatz Sachsens für die Braunkohle zu.

Milbradt sagte, in Sachsen seien die modernsten Braunkohlekraftwerke der Welt entstanden. Durch die Investitionen sei der Kohlendioxid-Ausstoß seit der Wende um knapp 60 Prozent gesunken. Auch Milbradt kritisierte die Bundesregierung. Dass die Braunkohle die einzige, nicht subventionierte Energiequelle sei, die Deutschland habe, werde auf Bundesebene "immer wieder vergessen". Inzwischen hätten sich die Rahmenbedingungen "zu Ungunsten der Braunkohle verändert". Milbradt warnte die Bundesregierung davor, den von der Mehrheit der Länder angestrebten spezifischen Braunkohlewert bei der Zuteilung der Emissionsrechte zu ignorieren. Die seit der Wende getätigten Investitionen in den Kraftwerkspark dürften nicht entwertet werden.

In den Neubau investiert Vattenfall nach eigenen Angaben 800 Millionen Euro. Zur Versorgung mit Brennstoff soll der seit 1999 ruhende Tagebau Reichwalde in drei Jahren wieder Braunkohle fördern. Im Tagebau und in der neuen Anlage werden laut dem Unternehmen insgesamt 100 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen. Auf der Baustelle des Kraftwerkblocks würden bis zu 1000 Menschen Beschäftigung finden.

Kritik von Umweltschützern

Nach Ansicht von BUND-Energieexperte Thorben Becker redet Vattenfall zwar von kohlendioxidfreien Kraftwerken, baut aber in der Realität weiter "neue Klima-Killer, diesmal in Sachsen". Das Braunkohlekraftwerk in Boxberg sei eine Katastrophe für den Klimaschutz. Ab 2011 werde es jährlich 4,7 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre pusten.

Vattenfall zufolge wird der neue Kraftwerksblock mit einem Wirkungsgrad von mehr als 43 Prozent auf dem heutigen Stand der Technik sein und "möglichst viel Strom aus möglichst wenig Kohle" machen. Die Grüne Liga Brandenburg kritisierte indes, dass Vattenfall seine älteren Kraftwerksblöcke mit einem Wirkungsgrad von maximal 36 Prozent sogar über das Jahr 2020 hinaus betreiben wolle. Zudem bestritt sie, dass es 100 neue Jobs geben werde. Vattenfall selbst habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, das von 50 bis 70 Arbeitsplätzen ausgehe.