Auswirkungen des Transformatorbrandes

Vattenfall legt 250 Seiten dicken Zwischenbericht zu Krümmel vor

In einem am Samstag veröffentlichten 250 Seiten dicken Zwischenbericht hat der Energiekonzern Vattenfall Europe Verlauf und Auswirkungen des Transformatorbrandes in Krümmel beschrieben. Ein Experte schließt aus dem Bericht, dass die Reaktormannschaft einen sehr kritischen Störfall befürchtete.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg/Frankfurt am Main (ddp/sm) - Bei dem Zwischenfall war es zu einer Schnellabschaltung des Reaktors gekommen, außerdem waren Rauchgase in den Leitstand gedrungen. Laut Einschätzung von Vattenfall kam es nur innerhalb der Trafobox temperaturbedingt zu Schäden, alle anderen Bauteile seien unbeschädigt geblieben. Lediglich Rauchgase hätten zu einer Verunreinigung von Lüftungen und Generatorschalter geführt.

Der Bericht enthält Messungen und Einschätzungen zur Schadstoffbelastung. Boden und Grundwasser sind laut externer Gutachter nicht durch den Trafobrand oder die Löscharbeiten verunreinigt worden. Weitere Schadstoffmessungen zum Beispiel im Leitstand, die teilweise erst eine Woche nach dem Unglück durchgeführt wurden, werden ohne Auswertung zitiert.

Der Brand habe zu Geruchsbelästigungen und Atemwegsreizungen bei anwesenden Personen geführt. Es habe aber keine Verletzten gegeben, auch hätte sich niemand auf der Sanitätsstation oder bei den Rettungssanitätern gemeldet. Zur Brandbekämpfung waren den Angaben zufolge weit über 100 Feuerwehrleute und Rettungssanitäter im Einsatz.

Mit dem Bericht, der auch im Internet vorliegt, wird sich das für Reaktorsicherheit zuständige Kieler Sozialministerium befassen. Zusätzlich sollen noch Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt des Transformatoren-Brandes in der Warte des AKW waren, direkt befragt werden. Dazu hatte der Betreiber grünes Licht gegeben.

Experte: Verantwortliche in Krümmel fürchteten größeren Störfall

Der Reaktorfachmann des Öko-Instituts, Michael Sailer, sagte der "Frankfurter Rundschau" (Montagsaugabe) laut Vorabbericht: "Offenbar waren sich die Reaktor-Verantwortlichen unsicher, wie die Situation einzuschätzen war." Eine erste Alarmstufe sei nach Ausfall des Trafos ausgelöst worden, wodurch weitere Mitarbeiter auf die Leitwarte gerufen wurden. Statt der normalerweise hier diensttuenden 5 Personen hätten sich dort zeitweilig 37 Mitarbeiter befunden.

"Man hat offenbar alle Mitarbeiter herangezogen, die zur Behebung des Störfalls hätten beitragen können", sagte Sailer, der auch Mitglied der Reaktorsicherheitskommission des Bundes ist. Als weiteres Indiz verwies er darauf, dass der Reaktorfahrer den Druck im Reaktor durch Öffnen von Ventilen sehr stark abgesenkt habe. Das hätte es ermöglicht, mit mehr Sicherheitssystemen einzugreifen.

Sailer stellte in Frage, ob der von Vattenfall geplante Stillstand des Reaktors bis Ende August ausreicht, um die offenbar gewordenen Probleme zu beheben. "Es könnte einen Konflikt geben, ob die nötigen Veränderungen auch bei laufendem Reaktor abgearbeitet werden können", sagte er.