Wegen Laufzeitverlängerung

Vattenfall: Gabriel stellt Brunsbüttel zu Unrecht an den Pranger

Im Streit um das schleswig-holsteinische Atomkraftwerk Brunsbüttel tritt Kraftwerksbetreiber Vattenfall Sicherheitsbedenken entgegen und sieht sich von Umweltminister Sigmar Gabriel "zu Unrecht an den Pranger gestellt". Heute muss das Unternehmen dem Ministerium Sicherheitsnachweise zum Reaktor vorlegen.

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Berlin (ddp-nrd/sm) - Der Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH (VENE), Bruno Thomauske, sagte dem "Handelsblatt" , es dränge sich der Eindruck auf, dass der Bundesumweltminister die aktuelle sicherheitstechnische Auseinandersetzung nutze, "um Brunsbüttel sicherheitstechnisch zu diskreditieren, um auf diesem Umweg eine Laufzeitverlängerung zu erschweren".

Das Unternehmen soll bis heute nachweisen, dass es in Brunsbüttel nicht zu solchen Vorfällen kommen kann, wie sie Ende Juli zur Abschaltung von vier Kraftwerksblöcken im schwedischen Forsmark führten. Nach Darstellung Thomauskes hat Brunsbüttel "eine gesicherte Notstromversorgung für alle Eventualfälle". Entsprechende Dokumente werde man dem Ministerium vorlegen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte erneut die sofortige Abschaltung von Brunsbüttel. Vattenfall habe als Betreiber anlässlich einer Sitzung des Ausschusses "Elektrische Einrichtungen" der Reaktorsicherheitskommission (RSK) der Bundesregierung entgegen früheren Einlassungen erklärt, dass Teile des Notstromsystems doch wie in Forsmark auf Wechselstrom angewiesen seien. Nach einem Ausfall bestimmter Wechselrichter wäre damit auch das Kraftwerk Brunsbüttel nur noch eingeschränkt steuerbar.

Auch die Grünen haben ihre Sicherheitsbedenken gegen das schleswig-holsteinische Atomkraftwerk Brunsbüttel bekräftigt. Deutschlands unsicherster Reaktor müsse dauerhaft vom Netz und nicht nur vorübergehend, forderte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, am Samstag in Berlin. Sie verwies darauf, dass der jüngste Prüfbericht für das Kernkraftwerk mehr als 250 zum Teil erhebliche Sicherheitsmängel aufgewiesen habe.

Der Meiler an der Unterelbe war in die Kritik geraten, nachdem die DUH dort noch größere Mängel als beim Kraftwerk in Forsmark ausmachte. Das Kernkraftwerk soll laut Atomkonsens Anfang 2009 vom Netz gehen. Das Umweltministerium hatte am Freitag mitgeteilt, dass sich in den Beratungen in der Reaktorsicherheitskommission (RSK) zur Auswertung der schwedischen Erfahrungen Fragen zur Notstromversorgung im Atomkraftwerk Brunsbüttel ergeben hätten. Dabei gehe es um den theoretischen Fall des Ausfalls der Notstromdiesel. In diesem Fall würde das Kraftwerk und vor allem die Überwachung auf einen Batteriebetrieb zurückgreifen müssen. In Brunsbüttel bestehe dabei jedoch - anders als in anderen Atomkraftwerken - eine technische Regeleinrichtung, die auf Wechselstrom angewiesen ist. Käme es zum Ausfall dieser Regeleinrichtung, stünde die Stromversorgung für die Steuerung der Anlage nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Es könnte damit ein ähnliches Problem wie in Forsmark auftreten, obwohl in Deutschland eine andere Technik genutzt wird, hieß es aus Berlin.