Personelle Konsequenzen

Vattenfall entlässt deutschen AKW-Chef (Upd.)

Nach der Pannenserie in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel zieht der Energiekonzern Vattenfall erste personelle Konsequenzen. Vattenfall Europe entließ den Chef seiner deutschen Atomkraft-Sparte, Bruno Thomauske. Damit wolle das Unternehmen verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen, hieß es.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel/Berlin (ddp/sm) - Bis auf weiteres soll der Kraftwerksvorstand Reinhardt Hassam die Aufgaben von Thomauske übernehmen. Überdies erklärte der Leiter der Konzernkommunikation von Vattenfall Europe, Johannes Altmeppen, seinen Rücktritt. Ihm soll kommissarisch Rainer Knauber folgen. Pressesprecher des Energiekonzerns bleibt weiterhin Ivo Banek.

Außerdem soll noch im Laufe der Woche eine hochrangige Expertengruppe eingesetzt werden. Sie soll, ausgestattet mit einem Etat in Höhe von fünf Millionen Euro, eine Gesamtanalyse vornehmen und Verbesserungsvorschläge erarbeiten.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wertete die angekündigte Einberufung der Expertengruppe "als Einstieg in die Diskussion darüber, dass ältere Atomkraftwerke früher vom Netz gehen und ihre Restlaufzeiten auf jüngere Anlagen übertragen werden sollten". Die Entlassung von Thomauske sei ein "überfälliger Schritt", sagte Gabriel. Es sei "höchste Zeit, dass sich Vattenfall nun endlich offensiv an der notwendigen Aufklärung der Vorfälle in Krümmel und Brunsbüttel beteiligen will".

Schleswig-Holsteins für Reaktoraufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) forderte weitere Schritte. "Die Entlassung von Herrn Thomauske ist eine unternehmerische Entscheidung, der strukturelle Veränderungen folgen müssen", sagte Trauernicht in Kiel. Vattenfall müsse technisches und menschliches Versagen in seinen Kernkraftwerken ausschließen. Sie fügte hinzu: "Dafür ist das Unternehmen den Beweis noch schuldig, die Kritik der Atomaufsicht ist nicht ausgeräumt." Alle Mitarbeiter des Unternehmens müssten über die erforderliche Zuverlässigkeit und Fachkunde verfügen.