Trotz Pannen

Vattenfall-Chef will Brunsbüttel-Laufzeit gerichtlich durchsetzen

Vattenfall will trotz jüngster Pannen in Atomkraftwerken den umstrittenen Meiler Brunsbüttel länger als bislang geplant am Netz lassen. Das Unternehmen habe das Ziel, die Laufzeit zu verlängern, der Sprecher des Vorstands von Vattenfall Europe, Hans-Jürgen Cramer dem Nachrichtenmagazin "Focus".

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München (ddp/sm) - "Daran halten wir trotz der jüngsten Vorkommnisse fest" fügte er hinzu. Laut Atomausstiegsgesetz soll Brunsbüttel 2009 vom Netz gehen. Dagegen will der Energiekonzern notfalls vor Gericht ziehen: "Möglicherweise werden wir das juristisch ausfechten müssen", erklärte Cramer.

Fehler räumte Cramer beim Krisenmanagement nach den Störfällen in Brunsbüttel und Krümmel ein: "Von Anfang an hätten wir über die Vorfälle offen, schnell und umfassend berichten müssen." Seit er die Verantwortung trage, gebe es einen radikalen Kurswechsel in der Kommunikation. Cramer hatte Mitte Juli den Chefposten übernommen, nachdem Vorgänger Klaus Rauscher wegen der Pannen zurückgetreten war. Die Stilllegung der Meiler Brunsbüttel und Krümmel, die vor Oktober wohl nicht wieder ans Netz gehen, kostet Vattenfall mehr als 100 Millionen Euro. "Die Summe scheint realistisch", antwortete Cramer auf eine entsprechende Frage. "Jeder Tag, an dem die Meiler still stehen, kostet uns rund eine Million Euro."

Erstmals bezifferte Cramer auch die Kundenverluste in den Kernmärkten Berlin und Hamburg: "Wir haben in den vergangenen vier Monaten etwa 100.000 Kunden an Wettbewerber verloren." Der Kundenstamm liege noch bei 2,7 Millionen Haushalten.