Konsequenzen

Vattenfall-Chef Klaus Rauscher tritt zurück

Vattenfall Europe-Chef Klaus Rauscher tritt zurück und zieht damit die Konsequenzen aus der Pannenserie in den schleswig-holsteinischen Kernkraftwerken. Vattenfall-Vorstandsvorsitzender Josefsson sagte, er habe das Rücktrittsangebot Rauschers angenommen. Der Aufsichtsrat werde den Rücktritt heute formal bestätigen.

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Berlin (ddp/sm) - Lars Josefsson, Chef des schwedischen Mutterkonzerns Vattenfall und Aufsichtsratsvorsitzende von Vattenfall Europe, sagte, Rauscher habe sich große Verdienste mit der Zusammenführung von Bewag, HEW, Laubag und VEAG zu Vattenfall Europe erworben. Unter seiner Führung habe sich das Unternehmen zu einem starken Wettbewerber auf dem deutschen Energiemarkt entwickelt. "Seiner Entscheidung, sein Amt zur Verfügung zu stellen, gilt mein voller Respekt", sagte Josefsson.

Der Manager räumte ein, dass das Unternehmen auf die Pannenserie nicht mit der nötigen Offenheit reagiert habe. "Besonders gravierend war das unzulängliche Krisenmanagement im Nachgang der Ereignisse in den Kernkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel am 28.Juni", sagte Josefsson. Wichtige Informationen seien nicht weiter gegeben worden. Die Betreiber von Kernkraftwerken hätten aber die Verpflichtung, Vertrauen zu schaffen.

Wie das Unternehmen mitteilte, wird das Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Cramer bis auf Weiteres die Aufgabe eines Sprechers des Vorstandes wahrnehmen. Josefsson sagte, dies bedeute keine Vorfestlegung auf die Nachfolge Rauschers.

Rauscher selbst erklärte in einer Pressemitteilung des Konzerns, die Vorgänge der vergangenen Wochen hätten dem Ansehen der Vattenfall Europe AG geschadet. Es seien Fehler gemacht worden, für die er als Vorsitzender des Vorstandes die Verantwortung zu tragen habe. Das Unternehmen müsse nun vor allem mit Blick auf seine Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter verloren gegangenes Vertrauen rasch zurückgewinnen. Um einem solchen Neuanfang nicht im Wege zu stehen, biete er an, sein Amt zur Verfügung zu stellen.

Merkel kritisiert Vattenfalls Informationspolitik

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Informationspolitik von Vattenfall nach den Störfällen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel zuvor als "nicht akzeptabel" bezeichnet. Es seien "dramatische Fehler" gemacht worden, sagte Merkel in Berlin. Sie fügte hinzu: "Das darf sich so nicht wiederholen." Allerdings ziehe sie wegen eines Vorfalls nicht das gesamte Vertrauen gegenüber Vattenfall zurück.

Merkel betonte, sie glaube, dass eine friedliche Nutzung der Kernenergie verantwortbar sei. Deutschland habe im Vergleich zu anderen internationalen Betreibern hohe Sicherheitsstandards. Allerdings müssten die Vorsichtsmaßnahmen auch eingehalten werden.

Gabriel fordert "Änderung der Sicherheitskultur"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, dass Rauscher die Verantwortung für die Fehlleistungen seines Unternehmens übernehme, ehre ihn. Es habe aber wenig Sinn, nur Personen an der Unternehmensspitze auszutauschen. Notwendig sei eine "komplette Sachverhaltsaufklärung" und vor allem eine "Änderung der Sicherheitskultur". Er hoffe, dass der Nachfolger von Rauscher "die Chance für einen Strategiewechsel nutzt und Vattenfall zu den Regeln des Atomgesetzes zurückkehrt, wonach alte Meiler als erste vom Netz gehen sollen und deren Laufzeit auf jüngere Reaktoren übertragen werden können."

Die Grünen halten den Rücktritt von Klaus Rauscher für "überfällig. Der Kern des Problems liege aber bei den alten Kraftwerken, diese müssen "ohne Wenn und Aber" schnellstmöglich stillgelegt werden, meine Fraktionsvorsitzende Renate Künast und ihre Stellvertreterin Bärbel Höhn. Die Energiewirtschaft solle endlich aufhören mit "Tricksereien am Atomkonsens zu rütteln".

Vattenfall hatte bereits am Montag erste personelle Konsequenzen aus den Vorfällen rund um die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel gezogen. So war der zuständige Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE), Bruno Thomauske, von seiner Funktion entbunden worden. Zudem hatte der Leiter der Vattenfall-Europe-Konzernkommunikation, Johannes Altmeppen, seinen Rücktritt erklärt.