Menschenrechte

Unwürdige Bedingungen für Arbeiter am Super-Reaktor

Die französische Menschenrechtsliga (LDH) wirft den Bauträgern des französischen Super-Atomreaktors EPR am Ärmelkanal vor, hunderte Bauarbeiter unter unwürdigen Bedingungen zu beschäftigen. Die Arbeiter seien isoliert und hätten kein Recht auf Privatleben und freie Meinungsäußerung.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Caen (afp/red) - Rund 460 größtenteils ausländische Arbeiter seien auf einem früheren Campingplatz an der nordfranzösischen Küste untergebracht und müssten dort in "baufälligen Bungalows" hausen, erklärte der LDH-Beauftragte Jacques Véron-Bocquet am Dienstagabend. Die überwiegend rumänischen Arbeiter hätten "kein Recht auf Privatleben, kein Recht auf freie Meinungsäußerung und keinen Raum für ein Sozialleben". Teils laufe das Wasser aus der Dusche durch mehrere Räume.

LDH: Arbeiter sind isoliert und verzweifelt

Der künftige Europäische Druckwasserreaktor (EPR) in Flamanville gehört dem französischen Energieriesen EDF, gebaut wird er vom Bouygues-Konzern. "Die Baustelle wird von Bouygues überhaupt nicht instandgehalten", sagte ein führendes Gewerkschaftsmitglied. Die Arbeiter dürften in ihren Behausungen weder rauchen noch Besuch von Frauen haben, sagte Véron-Bocquet. "Die Arbeiter sind isoliert und völlig verzweifelt." Laut LDH kommen vier von fünf Bauarbeitern in Flamanville aus dem Ausland, die meisten von ihnen aus Rumänien.

Der EPR soll leistungsfähiger und sicherer als bisherige Atomkraftwerke sein. Frankreich, das rund vier Fünftel seines Stroms in Atomkraftwerken erzeugt, will damit alte Kraftwerke ersetzen und setzt große Hoffnungen in den Export der Technik. Derzeit soll neben dem EPR-Reaktor in Flamanville am Ärmelkanal ein weiterer im nordwestfranzösischen Penly gebaut werden. Der erste EPR-Reaktor überhaupt entsteht in Finnland.