Skepsis

Unterschiedliche Reaktionen auf "E Wie Einfach"

Mit einer neuen Unternehmenstochter will der größte deutsche Energiekonzern E.ON bundesweit Strom und Gas für Haushaltskunden unter dem Preis der örtlichen Versorger anbieten. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) begrüßte die Initiative, bei Verbraucherschützern stößt sie auf ein unterschiedliches Echo.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp-nrw) - Glos sieht in der Ankündigung einen Schritt hin zur Normalisierung der Energiemärkte. "Ich begrüße alle Schritte der Energieversorger, die zu mehr Wettbewerb beitragen", sagte er. "Ob aus der Ankündigung von E.ON die überfällige Initialzündung für echten Wettbewerb im Haushaltskundenbereich für Gas wird, bleibt abzuwarten", fügte er hinzu. Entscheidend sei, dass die Verbraucher endlich überall zwischen echten Wettbewerbern auswählen und sich für den günstigsten Anbieter entscheiden könnten.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) wertete den Vorstoß ebenfalls positiv. "Jetzt hat der Wettbewerb wirklich angefangen", sagte Energieexperte Holger Krawinkel. Es sei erfreulich, wenn Verbraucher künftig günstiger Strom und Gas beziehen könnten. "Das ist das Ergebnis der Diskussion um den unzureichenden Wettbewerb", fügte er hinzu. Zudem könne er sich vorstellen, dass es viele Nachahmer geben wird und der Wettbewerb an Intensität gewinnt.

Sehr viel kritischer bewertet der Bund der Energieverbraucher die Ankündigung. Selbst wenn die Preise der örtlichen Anbieter um wenige Cent unterboten würden, seien die Preise für Strom und Gas grundsätzlich noch "ganz deutlich überhöht", bemängelte der Vorsitzende Aribert Peters.

Es handele sich lediglich um eine "kosmetische Operation", um den Druck aus der politischen Diskussion über mangelhaften Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt zu nehmen, ist sich Peters sicher. Wirklicher Wettbewerb entstehe durch das neue Angebot zudem nicht, da E.ON an vielen örtlichen Anbietern maßgeblich beteiligt sei und sich nicht selbst Konkurrenz machen werde.

Die "Stiftung Warentest" verweist darauf, dass sich der Strompreis auf die Allgemeninen Tarife der Regionalversorger bezieht, nicht jedoch auf die oft preiswerteren Sondertarife. Ähnlich sieht es auch beim Gasangebot aus. Die vielfach regionalen Unterschiede blieben auch bei dem neuen E.ON-Angebot bestehen. Die Verbraucherschützer empfehlen: "Nachrechnen und Vergleichen".

"Die Stadtwerke stellen sich dem schärfer werdenden Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt", erklärte Michael Schöneich, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Schöneich wies aber auch auf die ungleichen Bedingungen hin: "E.ON setzt seine ganze Marktmacht gegen die Stadtwerke ein, die besonders beim Gas kaum auf alternative Lieferangebote zurückgreifen können." Offenbar reagiere der Konzern auf die zunehmende Kritik an der Vermachtung des Marktes jetzt mit der Flucht nach vorn und suche sein Heil in aggressiven Vertriebsmethoden. Dennoch würden die Stadtwerke die Herausforderung annehmen, so Schöneich. "Die Stärke der Stadtwerke ist ihre Kundennähe, ihre lokale und regionale Verankerung. Dies unterscheidet sie von Vertriebsorganisationen mit anonymen Call-Centern."

Weiterführende Links