Massiver Kurseinbruch

Unsicherheiten über künftige Energiepolitik belasten SolarWorld

Der überraschende Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für eine vorgezogene Bundestagswahl hat den Aktienkurs des Bonner Solartechnik-Anbieters SolarWorld am Montag deutlich unter Druck gesetzt. Bis zum frühen Nachmittag brach das im TecDAX gelistete Papier um 10,1 Prozent auf 102,35 Euro ein.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp/sm) - Händlern zufolge erhöhten sich die Befürchtungen, dass bei einem Regierungswechsel die Subventionen für Solarenergieunternehmen künftig niedriger ausfallen werden. Analyst Hartmut Moers von Sal. Oppenheim bezeichnete den Kursrückgang als eine "faire Reaktion". Die Risiken bei SolarWorld hätten nun zugenommen. Grundsätzlich aber sei SolarWorld "sehr gut aufgestellt", betonte der Analyst. Allerdings hänge das Geschäftsmodell immer noch an einem regulatorischen Rahmen, "der in Zukunft möglicherweise nicht mehr so aussehen wird wie jetzt". Weitere deutliche Kursrückgänge dürfte es bei SolarWorld seiner Einschätzung nach nicht geben.

SolarWorld-Chef Frank Asbeck sieht dagegen durch einen möglichen Regierungswechsel keine Auswirkungen auf das Geschäft. "Wir sind nach wie vor bis weit in das Jahr 2006 hinein ausgebucht", sagte Asbeck auf Anfrage. Die Exportquote von 30 Prozent im vergangenen Jahr werde sich im laufenden Geschäftsjahr auf 50 Prozent erhöhen. Außerdem würden erneuerbare Energien und Solarenergie durch den technischen Fortschritt jährlich um fünf Prozent billiger. Im Vergleich dazu seien die konventionellen Energieformen in den jüngsten Jahren im Schnitt um acht Prozent gestiegen.

Sollte die Union vorgezogene Bundestagswahlen gewinnen, fürchtet die Ökostrom-Branche keinen Ausstieg aus dem Atomkonsens. "Ich glaube nicht, dass das politisch durchsetzbar ist", sagte Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE), der "Netzeitung". Sollte die Wirtschaft nach neuen Standorten für Atomkraftwerke suchen, gäbe es "massive Akzeptanzprobleme". Der Prozess, vermehrt auf erneuerbare Energien zu setzen, sei "unumkehrbar".

SolarWorld-Chef Asbeck gibt sich ebenfalls optimistisch. Auch bei der CDU gebe es "vernünftige Stimmen", betonte er. Schließlich habe die Union dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) zugestimmt. "Ich glaube nicht, dass eine Partei 120 000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährden will", sagte der Vorstandsvorsitzende.