Rückschritt?!

Union fordert längere Nutzung der Atomenergie

Hohe Ölpreise und Importabhängigkeit - mit diesen Schlagwörtern hat die Union eine Verschiebung des geplanten Ausstiegs aus der Kernenergie wieder in die Diskussion gebracht. Rückendeckung erhält sie überraschend auch von Teilen der Erneuerbaren-Energien-Branche.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln (ddp/sm) - Angesichts steigender Energiepreise werden in der Union die Forderungen nach einer Änderung des von der rot-grünen Bundesregierung beschlossenen Atomausstiegs wieder lauter. Der Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk, dass wegen der "sehr hohen Stromkosten in Deutschland" eine weitere Nutzung der Kernenergie erwogen werden müsse.

Allerdings ließe sich nach seiner Ansicht lediglich die "Laufzeit bestehender Kraftwerke verlängern", betonte Uldall. Der Bau neuer Kernkraftwerke werde "in absehbarer Zeit politisch kaum durchsetzbar sein".

Die bayerische Staatsregierung erwägt unterdessen angeblich den Bau neuer Atommeiler. CSU-Chef Edmund Stoiber und sein Kabinett hätten sich in einem energiepolitischen Strategiepapier dafür ausgesprochen, berichtet die Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe). In dem Papier werde die "Möglichkeit des Ersatzes bestehender und bei Bedarf auch Errichtung neuer Kernkraft-Anlagen nach energiewirtschaftlichen Kriterien unter Einhaltung höchster Sicherheitsstandards" verlangt.

Auch der Vorstandsvorsitzende des Windkraftunternehmens RePower AG, Fritz Vahrenholt, hält einen langsameren Ausstieg aus der Atomwirtschaft für denkbar. "Wir müssen alles tun, was uns unabhängig macht von den Scheichs und von dieser brisanten Situation, die unsere ökonomische Lage bedroht", sagte Vahrenholt im Radiosender Bayern2. Dazu gehöre ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien, die in fünf bis zehn Jahren wettbewerbsfähig seien, aber auch die Überlegung, ob man sich nicht durch einen späteren Ausstieg aus der Kernenergie "Luft verschaffen" könne. Allerdings glaube niemand im Ernst, dass neue Atomkraftwerke durchsetzbar seien.

Nach Angaben von CSU-Generalsekretär Markus Söder steht der Bau neuer Atomkraftwerke in Bayern jedoch nicht "auf der Tagesordnung". In Bayern lebe man sehr gut mit einem Energiemix aus Atom- und anderen Energieformen, sagte Söder am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. Der "Ausstieg aus dem Ausstieg" sei jedoch nötig, denn eine Abkehr von der Kernkraft sei "weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar".