"Unglaubwürdig"

Ungenügende Informationspolitik : Kritik an Vattenfall wächst (Upd)

Nach dem Bekanntwerden weiterer Störungen infolge des Brandes im AKW Krümmel gerät dessen Betreiber Vattenfall zunehmend in die Kritik. Umweltverbände werfen dem Unternehmen eine ungenügende Informationspolitik vor. Vattenfall sowie das Kieler Sozialministerium als Reaktoraufsichtsbehörde wiesen die Vorwürfe jedoch zurück.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp-nrd/sm) - Sozialministerin Gitta Trauernicht bezeichnete die Vorwürfe als "absurd". Die Öffentlichkeit sei vom Ministerium "umfassend, solide und schnell informiert worden". Trauernicht betonte, nach dem Brand habe erst am Montagabend mit einer Besichtigung der Anlage und einer vertieften Analyse der Abläufe begonnen werden können. "Aufgabe des Sozialministeriums ist nicht, erste Informationen des Betreibers ungeprüft weiterzugeben." Die Aufsichtsbehörde informiere die Öffentlichkeit "auf der Basis eigener und durch Gutachten gestützter Fakten", sagte die Ministerin. Krümmel gehe erst wieder ans Netz, wenn alle sicherheitsrelevanten Punkte geklärt sind.

Dagegen rügte die Umweltorganisation BUND den Betreiber. Dieser wirke unglaubwürdig, wenn erst jetzt zugegeben werde, dass der Zwischenfall schwerer gewesen sei als angenommen. Dass, wie von Vattenfall behauptet, zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe, sei angesichts der jüngst bekannt gewordenen Störungen zu bezweifeln.

Der Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein warf dem AKW-Betreiber eine Verharmlosung des Unfalls vor. "Mit ihrer Abwiegelungstaktik verspielt die Atomindustrie den allerletzten Rest an Glaubwürdigkeit", sagt NABU-Landeschef Hermann Schultz am Mittwoch in Neumünster. Die jüngsten Vorfälle in den AKW Brunsbüttel und Krümmel zeigten, wie richtig und wichtig der Atomausstieg sei. Er fügte hinzu: "Insbesondere in Altanlagen häufen sich die Zwischenfälle." Der Kieler Grünen-Landtagsabgeordnete Detlef Matthiessen sprach dem Konzern ab, ein zuverlässiger AKW-Betreiber zu sein.

Nach Angaben der Reaktoraufsicht war es bei der Schnellabschaltung nach dem Trafo-Brand am Donnerstag "durch ein unplanmäßiges Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen zu einem schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter" gekommen. Außerdem war eine von mehreren Speisewasserpumpen ausgefallen. "Es war trotzdem jederzeit genügend Wasser über den Brennstäben", sagte Ministeriumssprecher Oliver Breuer. Trotz dieser Auffälligkeiten sei die Sicherheit der Anlage gewährleistet gewesen.

Vattenfall weist Kritik zurück

Vattenfall Europe hat die Behörde nach Unternehmensangaben bereits am Donnerstag über Auffälligkeiten bei der Abschaltung des Atommeilers in Kenntnis gesetzt. "Wir haben die Öffentlichkeit sofort über den Trafo-Brand und die Schnellabschaltung des Kraftwerks informiert", sagte Geschäftsführer Bruno Thomauske am Mittwoch in Hamburg.

Das Unternehmen habe der Aufsichtsbehörde ordnungsgemäß Auffälligkeiten im Ablauf unmittelbar gemeldet. Thomauske fügte hinzu: "Die Anlage war zu jedem Zeitpunkt in einem sicheren Zustand." Dies sei auch vom Sozialministerium bestätigt worden. Die Auffälligkeiten würden zurzeit analysiert. Thomauske betonte, dass der Brand des Transformators den Reaktor des Kraftwerks nicht betroffen habe.