Milliardendeal

Ungarn will Atomstrom-Produktion verdoppeln

Ungarn bekommt den gewünschten Ausbau in der Atomenergie und zwar auf Pump. Die Finanzierung erfolgt durch Russland: Rund neun Milliarden Euro sollen die zwei Meiler kosten, welche die Stromerzeugung des einzigen Atomkraftwerks des Landes verdoppeln könnten.

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Moskau (AFP/red) - Ungarn will seine Atomstromerzeugung mehr als verdoppeln und hat zu diesem Zweck einen milliardenschweren Auftrag an Russland vergeben. Regierungschef Viktor Orbán und der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichneten am Dienstag in Moskau einen bilateralen Vertrag, dessen Gesamtinvestitionen sich laut der Zeitung "Népszabadság" auf das teuerste Projekt seit Ungarns EU-Beitritt im Jahr 2004 summieren. Der Geschäftswert des Abkommens über den Bau zweier neuer Reaktoren für Ungarns einziges Atomkraftwerk in Paks beläuft sich auf umgerechnet zehn Milliarden Euro.

Sorge vor Energieabhängigkeit

Das Geld für die beiden neuen Meiler stellt Russland als Kredit zur Verfügung, wie der nationale Atomenergiekonzern Rosatom nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Nowosti erklärte. In Brüssel und mehreren osteuropäischen Staaten dürfte das Vorhaben auf Argwohn stoßen: Dort herrscht wachsende Sorge vor einer politisch instrumentalisierbaren Energieabhängigkeit der EU von Moskau.

Rund neun Milliarden Euro Kosten

Im 100 Kilometer südlich von Budapest gelegenen Paks gibt es bislang vier Schwerwasserreaktoren, die in den 1980er Jahren noch zu Sowjetzeiten errichtet wurden. Sie erzeugen zusammen fast 2.000 Megawatt Strom pro Tag und decken damit 40 Prozent des landesweiten Elektrizitätsbedarfs. Laut dem russischen Nachrichtenportal Gazeta.ru sollen die beiden neuen Meiler jeweils 1.200 Megawatt liefern und pro Stück 4,5 bis fünf Milliarden Euro kosten. Ungarns Parlament hatte dem Ausbau schon im Jahr 2009 zugestimmt.

Formale Ausschreibung blieb aus

Für den Auftrag hatten sich auch der französische Branchenriese Areva, der US-Atomkonzern Westinghouse sowie mehrere japanische und südkoreanische Firmen interessiert. Eine formale Ausschreibung, wie sie geltendes EU-Recht vorsieht, gab es jedoch nie. Experten zufolge könnte Orbán deshalb versuchen, die Brüsseler Vorschriften zu umgehen, indem das Projekt als Erweiterung einer bestehenden Anlage anstatt als Neubau definiert wird.

Quelle: AFP