Unverbindliches Ergebnis

UNEP-Chef Steiner enttäuscht vom G8-Gipfel

Der Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, zeigt sich enttäuscht vom G8-Gipfel in Japan. Er vermisse verbindliche Ziele und warnt davor, allein auf Atomkraft als Klimaretter zu setzen. Auch Grünen-Fraktionschefin Künast ist mit den Klima-Vereinbarungen nicht zufrieden und zweifelt an der Haltung der USA.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Wenn die unverbindliche Klimaeinigung der führenden Industrienationen das "große Signal" sein solle, als das es jetzt hingestellt werde, dann sei das schon "ernüchternd", sagte Steiner am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Er vermisse konkrete Zwischenziele, wie die klimaschädlichen Treibhausgase in nachvollziehbaren Schritten und Etappen beispielsweise bis 2020 reduziert werden können.

Auch der von vielen gefeierte Erfolg, die USA in die Klimavereinbarung einzubeziehen, muss nach Ansicht Steiners deutlich gedämpfter betrachtet werden. Fast das gleiche Ergebnis sei ja schon beim letzten G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm erreicht worden, sagte er. Immerhin hätten sich aber die Vereinigten Staaten in den vergangenen 24 Monaten bewegt und seien heute Teil der weltweiten Klimainitiative.

Nachdrücklich warnte Steiner davor, zur Erreichung der Klimaschutzziele verstärkt auf die Atomkraft zu setzen. Zwar sei sie "eine technologische Option", doch könne sie "nicht die alleinige Lösung" sein. Wenn die Ziele des Weltklimarates mit Hilfe der Kernenergie umgesetzt werden sollen, müssten "weltweit 2000, 3000 oder 4000 neue Atomkraftwerke" gebaut werden. "Ich glaube, keiner wird behaupten, dass das ein realistisches Szenario ist."

Künast: "verpasste Gelegenheit"

Auch die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hat die G8-Klimaeinigung harsch kritisiert. Das Treffen in Japan sei eine "verpasste Gelegenheit" gewesen. Langfristige Visionen seien gut, doch gehe es um rasche, konkrete Maßnahmen.

Skeptisch zeigte sich Künast, inwieweit sich die USA wirklich an die Einigungen des G8-Gipfels halten werden. US-Präsident George W. Bush habe zwar das Abschlussdokument unterschrieben, doch wird darin nur von "Visionen" gesprochen, sagte die Grünen-Politikerin. Sie fügte hinzu, dem steht nach wie vor ein Beschluss des US-Kongresses von 1992 gegenüber, beim Klimaschutz nie ein verbindliches Ziel zu unterschreiben.

Künast wies Forderungen zurück, zur Minimierung der Treibhausgase verstärkt auf Atomkraft zu setzen. Für effektive Ergebnisse der Atomtechnologie würden Schätzungen zufolge weltweit etwa 1000 neue Atomkraftwerke gebraucht. Dies sei irreal. Der richtige Weg sei, verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen.