Stahllegierung T24

Undichter Stahl verzögert Start neuer Kohlekraftwerke

Dem deutschen Stromnetz droht nach einem Bericht des "Spiegel" eine zusätzliche Belastungsprobe. Aufgrund von Materialproblemen verzögert sich die Inbetriebnahme mehrerer im Bau befindlicher Kohlekraftwerke um Jahre, meldete das Magazin am Sonntag.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (afp/red) - Betroffen sein könnten bis zu neun Kraftwerke mit insgesamt mehr als zehn Gigawatt Leistung. Die neuen Kraftwerke hätten für mehr Stabilität in den Netzen sorgen sollen, wo nach Ansicht einiger Fachleute in den kommenden Jahren durch die Abschaltung von Atomkraftwerken und die Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Energien ohnehin Ausfälle drohen.

"Dieses Malheur trifft Deutschlands Stromversorgung genau zur falschen Zeit", sagte der Chef der Deutschen Energieagentur, Stefan Kohler, dem "Spiegel". Für die betroffenen Energiekonzerne sei es "eine echte Katastrophe".

Der ganze Zeitplan könnte durcheinander geraten

Nach Informationen des Magazins sind Risse in den Dampfkesseln das Problem. Um die Effizienz der Kohlekraftwerke zu steigern, war eine neuartige, bisher nur ungenügend erprobte Stahllegierung namens T24 verwendet worden. Bekannt sind den Ingenieuren demnach Probleme an den Anlagen in Duisburg-Walsum, Hamburg-Moorburg, Boxberg und Wilhelmshaven. Betroffen könnten aber noch fünf weitere Kohlemeiler sein.

Noch ist unklar, ob nun das Szenario für den Atomausstieg überarbeitet werden muss. "Wir müssen zunächst abwarten, wann die Unternehmen die Kraftwerksprobleme in den Griff bekommen", sagte der Sprecher der Bundesnetzagentur, Rudolf Boll, dem Magazin. Dem Hersteller Hitachi Power Europe drohen nun Kompensationsforderungen.