Verbindliche Ziele

UN-Klimaforscher: Europa soll Vorreiter beim Klimaschutz werden

In der Diskussion um einen besseren Klimaschutz in der EU fordern Experten den Ausbau erneuerbarer Energien. Der UNO-Klimaforscher Ottmar Edenhofer mahnte, die EU-Staaten sollten eine Vorreiterrolle übernehmen. Claudia Kemfert vom DIW sieht hier ein riesiges wirtschaftliches Potenzial.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - "Wir müssen erneuerbare Energien verbindlich ausbauen", sagte UNO-Klimaforscher Ottmar Edenhofer heute in der "Berliner Zeitung". Das von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeschlagene Ziel von 20 Prozent Öko-Energie bis 2020 müsse EU-weit festgeschrieben werden. Der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Hauptautor des Weltklimaberichts der Vereinten Nationen (IPCC) forderte ferner drastische Energieeinsparungen. Nur wenn die Emissionen bis 2020 stabilisiert und bis 2050 um 60 Prozent reduziert würden, lasse sich der weltweite Temperaturanstieg noch auf zwei Grad begrenzen.

Edenhofer rief die EU außerdem zu einer umfassenden Reform des Emissionshandels auf. Die Emissionsobergrenzen müssten ambitionierter werden. Außerdem sollten die Zertifikate versteigert und nicht verschenkt werden. Auch müsse über eine internationale Ausweitung etwa in die USA nachgedacht werden. "Staaten wie Kalifornien sind daran sehr interessiert", sagte Edenhofer.

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert sagte, die Branche der erneuerbaren Energien werde bis 2030 die Automobilbranche überholt haben. "Der Klimaschutz schafft unter dem Strich Arbeitsplätze", fügte sie hinzu. Mit Blick auf strengere Klimaschutzauflagen fordert sie jedoch Ausgleichsmaßnahmen für Branchen, die besonders von solchen Regelungen betroffen wären. "Im Rahmen der Ökosteuer hat man bereits Ausnahmen geschaffen", sagte Kemfert. Wenn die Kostenbelastung durch den Klimaschutz zu hoch werde, müsse man mehr steuerliche Ausnahmeregelungen für bestimmte Branchen schaffen.

Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK), forderte, Energiepolitik dürfe nicht "zur reinen Ableitung der Klimapolitik" werden. "Keinesfalls kann Deutschland wie bislang allein drei Viertel der europäischen Emissionsminderungen erbringen und die damit verbundenen Kosten Tragen", sagte er. Wenn Klimapolitik zu einer unverhältnismäßig teuren und unsicheren Energieversorgung führe, sei am Ende nichts gewonnen. Europa allein könne die Welt nicht retten. "Die sich abzeichnende Zielmarke für die Minderung von Treibhausgasen in Europa sehe ich daher mit Sorge", sagte Braun weiter. Er verlangte, künftig wieder stärker auf die Atomenergie zu setzen. "Der deutsche Sonderweg der Verkürzung der Laufzeiten unserer Kernkraftwerke schwächt die Umwelt- und Wettbewerbsposition Deutschlands nachhaltig", sagte der DIHK-Präsident.

Dagegen sagte Edenhofer, die Kernkraft könne nach seiner Einschätzung langfristig keinen Beitrag zum Schutz des Weltklimas leisten. "Sie wird global betrachtet höchstens ein Nischendasein führen", sagte er. Um den Anteil der Kernenergie an der Stromproduktion konstant zu halten, müssten weltweit 400 neue Meiler gebaut werden. "Das ist völlig unrealistisch", sagte er.