Weichenstellung für Kopenhagen

UN-Gipfel: 100 Länder beraten über Klimaschutz

Die Vereinten Nationen stehen ganz im Zeichen des Klimaschutzes. Rund 100 Regierungsvertreter wollen am Dienstag in New York über ein neues Klimaabkommen beraten und die Weichen für den Klimagipfel in Kopenhagen stellen. Dort soll ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Abkommen ausgehandelt werden, das 2012 ausläuft.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - Das erklärte Ziel für die nächsten Jahre ist eine Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad. Die Verhandlungen im Vorfeld des Kopenhagener Gipfels drehen sich daher vor allem um die Frage, um wie viel Prozent die Industriestaaten ihre Treibhausgas-Emissionen künftig reduzieren und wie sie den Schwellen- und Entwicklungsländern finanziell unter die Arme greifen können, damit diese wirtschaftliches Wachstum unter Beachtung des Klimaschutzes erreichen können. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Industriestaaten ihre Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken müssen.

Klimaziele der USA weit hinter Europa

Vor allem auf die USA wird es ankommen. Ende Juni verständigte sich das US-Repräsentantenhaus darauf, den Kohlendioxidausstoß um 17 Prozent gegenüber 2005 zu senken. US-Präsident Barack Obama nannte das Votum "historisch". Doch im Vergleich zu 1990, dem Basisjahr für die Verhandlungen, bedeuten die 17 Prozent lediglich eine Senkung von drei bis vier Prozent. Zusätzlich steht die Abstimmung im Senat noch aus. Zum Vergleich: Die EU will 2020 im Vergleich zu 1990 20 Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre blasen - und 30 Prozent, wenn andere Industriestaaten mitziehen.

Klimaschutz wird Weltwirtschaft verändern

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso warnte am Montag, die Gespräche befänden sich derzeit "gefährlich nahe am Stillstand". Ein Scheitern der Verhandlungen könne den Kampf gegen den Klimawandel um Jahre zurückwerfen, sagte der EU-Kommissionspräsident vor Experten in New York. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erinnerte am Montag daran, dass ein Klimaabkommen nicht nur dem Schutz der Umwelt diene, sondern auch die Weltwirtschaft grundlegend verändern werde.

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der Bundeskanzlerin Merkel in New York vertritt, forderte die Industriestaaten vor seiner Abreise in die USA auf, "ambitionierte Mittelfristziele" vorzulegen. "Um ein Abkommen zu erlangen, das fair und akzeptabel ist und die drastischsten Folgen des Klimawandels verhindert, müssen alle - Industrie- und Entwicklungsländer - ihre Angebote zu Minderung und Finanzierung nachbessern und handfest machen."

USA streben Abkommen in Kopenhagener an

Der neue US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, versicherte in einem Beitrag für die "Berliner Zeitung", dass sich die USA sich federführend am Aufbau einer Weltwirtschaft beteiligen wolle, die auf sauberen Energiequellen basiert. "Wir wissen, dass das Problem des Klimawandels ohne eine Verringerung der US-Emissionen nicht gelöst werden kann", schrieb Murphy. "Die Vereinigten Staaten haben die klare Absicht, ein tragfähiges internationales Abkommen zu erreichen", fügte der Botschafter hinzu.

Beim Treffen der G20 am Donnerstag und Freitag in Pittsburgh wollen die Staats- und Regierungschefs ebenfalls über mögliche Wege zur Finanzierung des Klimaschutzes beraten. Die nächste offizielle UN-Klimakonferenz findet vom 28. September bis 9. Oktober in Bangkok statt.