Computer

Umweltzeichen "Blauer Engel" wird nicht genutzt

Computerhersteller geraten in die Kritik, weil sie ihre Geräte nicht mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" versehen, welches den Energieverbrauch kennzeichnet. Auf diese Weise tun sich Verbraucher schwer, energiesparende, schadstoffarme und langlebige Computer zu erkennen. Mit sparsamen Computern könnten jedoch große Mengen an Energie eingespart werden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Freiburg/Böblingen (dapd/red) - Zum Start der weltweit größten Computermesse Cebit geraten die Gerätehersteller wegen fehlender Kennzeichnung des Energieverbrauchs in die Kritik. "Die Hersteller geben den Verbrauchern keine Möglichkeit, im Laden nur die effizientesten Rechner zu kaufen", sagte der Computerexperte des Freiburger Öko-Instituts, Jens Gröger, der Nachrichtenagentur dapd. Kein Rechner trage das Umweltzeichen Blauer Engel, an dem Käufer energiesparende, schadstoffarme und langlebige Computer erkennen könnten. "Noch gibt es keinen Hersteller, der sich um das Label mit den aktuellen Anforderungen beworben hat", kritisierte Gröger.

Seit Ende des Jahres 2010 gebe es neue Kriterien, die PCs und Laptops erfüllen müssen, um den Blauen Engel tragen zu dürfen. Das Öko-Institut habe die Anforderungen im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts erarbeitet. Beschlossen wurden die Kriterien von der Jury Umweltzeichen, in der Industrie, Umwelt- und Verbraucherschützer vertreten sind.

Dass das Umweltzeichen jetzt nicht genutzt werde, ist für Gröger unverständlich. "Die Hersteller haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt", bemängelte er. Sie würden ihre Produkte als leistungsstark und schick bewerben, nicht jedoch als energiesparend und umweltfreundlich. "Dabei ist Klimaschutz auch beim Computerkauf für viele Kunden ein wichtiges Kriterium", fügte der Experte hinzu. Zudem könnten Computernutzer durch einen effizienten Rechner jährlich rund 30 Euro an Stromkosten sparen.

Hersteller bevorzugen weltweit gültiges Label

Der Computerhersteller Hewlett-Packard wies die Kritik der unzureichenden Kennzeichnung zurück. "Wir haben auf unseren Produkten keinen Blauen Engel, weil die für den weltweiten Markt gekennzeichnet werden", sagte eine Sprecherin des US-Unternehmens mit Deutschlandsitz in Böblingen. Die Rechner trügen aber das Label Energy Star, zudem werde auf Datenblättern der Energieverbrauch unter durchschnittlichen Nutzungsbedingungen angegeben.

Auch Dell verzichtet nach eigenen Angaben auf den Blauen Engel und zeichnet seine Produkte in der Regel mit dem Energy Star aus. Außerdem biete der Computerhersteller zu allen Produkten spezifische Umweltdatenblätter an, aus denen der Energieverbrauch hervorgehe, sagte ein Sprecher. Auf einer speziellen Internetseite könnten Dell-Kunden zudem ihren Stromverbrauch berechnen.

Aus Sicht von Gröger reicht das nicht aus. Die Anforderungen des Energy Star erfüllten mittlerweile alle neuen Computer, Verbraucher könnten daran also keine besonders sparsamen Geräte erkennen, sagte der Experte vom Öko-Institut weiter. "Und wenn ich als Kunde nach dem Energieverbrauch frage, zuckt der Händler in der Regel mit den Schultern." Bei Waschmaschinen und Kühlschränken sei es hingegen selbstverständlich, dass der Energieverbrauch gut sichtbar an den Geräten abgelesen werden kann.

Enormes Stromsparpotenzial

Durch sparsame Computer könnten große Mengen an Energie eingespart werden, sagte Gröger. Wenn in Deutschland nur die effizientesten Computer und Bildschirme genutzt würden, könnte soviel Strom eingespart werden, wie zwei mittelgroße Kohlekraftwerke produzieren. Pro Jahr würden so drei bis fünf Millionen Tonnen an Kohlendioxid vermieden, wie das Öko-Institut errechnet hat.

Trotzdem sollten nicht alle alten Computer von heute auf morgen weggeschmissen werden, rät Gröger. "Die Herstellung verschlingt einen großen Teil an Energie. Deswegen sollten die Geräte möglichst lange benutzt werden." Den Herstellern empfiehlt er, die Rechner so zu bauen, dass sie nachgerüstet werden können. Das sei übrigens auch ein Kriterium für den Blauen Umweltengel.