"Unverantwortlich"

Umweltverbände und Grüne lehnen Aufschluss neuer Tagebaue ab (Upd.)

Umweltverbände und Grüne lehnen den Aufschluss von neuen Tagebauen ab. Entsprechende Pläne von Vattenfall und der Landesregierung seien unverantwortlich, kritisierten Sprecher und kündigten an, dass die Volksinitiative gegen Braunkohle-Tagebaue wie geplant im Oktober startet werde.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Potsdam (ddp-lbg/sm) - Hintergrund für die Kritik sind Medienberichte, denen zufolge Vattenfall drei neue Tagebaue erschließen will. Der schwedische Konzern wolle die Lagerstätten Jänschwalde-Nord, Bagenz-Ost und Spremberg-Ost abbauen. Dafür müssten einige Dörfer umgesiedelt werden. Betroffen wären rund 900 Menschen.

Grüne-Liga-Sprecher René Schuster warf der Landesregierung Brandenburg Wortbruch vor. 1993 habe sie mit dem damaligen Umweltminister und heutigen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) den Tagebau Jänschwalde-Nord aus landesplanerischen Gründen abgelehnt. Der Aufschluss des Gebietes wäre der "worst-case" für die Region. Die Grüne Liga werde sich konsequent gegen die Tagebaue wehren.

NABU-Landeschef Tom Kirschey sagte: "Jede weitere Tagebaugenehmigung ist unverantwortlich." Brandenburg gehöre wegen der Braunkohle weltweit zu den "schlimmsten Klimasündern". Dass lediglich drei statt zunächst vorgesehener sieben Tagebaue erschlossen werden sollen, sei kein Grund zur Entwarnung. Der einzig sichere Weg sei, neue Tagebaue per Gesetz zu verbieten. Das sei Ziel der Volksinitiative.

Auch der Bauernbund Brandenburg lehnt die Abbaggerung von Lausitzdörfern: "Die Vernichtung wertvollen Ackerlandes und jahrhundertealter Dörfer für billigen Strom ist durch nichts zu rechtfertigen." Landwirtschaftliche Nutzfläche sei ein knappes Gut. Die Gesellschaft lebe nicht von einer neuen Generation CO2-reduzierter Braunkohlekraftwerke und auch nicht von Touristen-Safaris durch Bergbaufolgelandschaften, sondern "von 30 Zentimetern Mutterboden".

Auch aus Sicht von Grünen-Landeschef Axel Vogel ist in Sachen neue Tagebaue noch nicht das letzte Wort gesprochen. Landesregierung und Vattenfall könnten eine "Salami-Taktik" verfolgen und mittelfristig den Aufschluss weiterer Felder in Betracht ziehen.

Unterdessen rief die FDP zur Versachlichung der Debatte auf. Die Braunkohleförderung und -verstromung sichere Tausende Arbeitsplätze und sei wichtiger Bestandteil einer "zukunftsfesten Energiepolitik", erklärte der Vorsitzende des FDP-Landesfachausschusses Wirtschaft, Rainer Siebert. Deshalb sei die Entscheidung, die künftige Förderung langfristig an drei neuen Standorten zu planen, vernünftig. Derzeit gebe es "keine verlässlich verfügbaren alternativen Energiequellen in ausreichendem Maße". Die mit der Verstromung verbundenen hohen CO2-Emmissionen müssten allerdings sinken.