Umweltverbände mobilisieren europaweiten Widerstand gegen Atomkraftwerk Temelin

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Der Deutsche Naturschutzring (DNR) forderte heute in Berlin zusammen mit dem BUND, BBU, den Südböhmischen Müttern gegen Atomgefahr und der Oberösterreichischen Plattform gegen Atomgefahr den sofortigen Teststopp des AKW Temelin in Tschechien. "Das gefährliche Milliardengrab Temelin muss unter allen Umständen zugeschüttet werden", sagte DNR-Präsidialmitglied Hubert Weinzierl.


Die deutsche Bundesregierung hätte die Einhaltung des deutsch-tschechischen Umweltabkommens sicherzustellen und ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren, sowie eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung mit ausreichender Öffentlichkeitsbeteiligung unter Einbeziehung der Nachbarstaaten Deutschland und Österreich durchzusetzen, verlangte der DNR. Dringend zu klären sei zudem, wer im Katastrophenfall die Schadenshaftung zu übernehmen hat. Vertreter des BUND haben dem tschechischen Botschafter eine Petition übergeben, in der ein Teststopp und ein öffentliches Genehmigungsverfahren gefordert werden.


Für die Umweltschützer ist die ganze Geschichte Temelins ein (gefährliches) Desaster: Seit 1982 seien in Temelin zwei Reaktoren mit einer Nettoleistung von je 920 MW im Bau. Seit der Wende würde der sowjetische Reaktortyp von der US-Firma Westinghouse nachgerüstet. Inzwischen sei diese aus dem Atomgeschäft ausgestiegen und würde durch die britische Firma BNFL in Temelin ersetzt. Das AKW Temelin war 1991 etwa baugleich mit dem Atomkraftwerk Stendal in Sachsen-Anhalt begonnen worden. Umweltminister Töpfer ließ die Baustelle Stendal stilllegen, weil es keine Chance gab, das Kraftwerk nach deutschem Atomrecht zu genehmigen. In Tschechien aber sei weitergebaut worden, obwohl klar war, dass der Strom aus Temelin für die Stromversorgung Tschechiens nicht erforderlich sei.