Protest

Umweltverbände kehren Klimakonferenz den Rücken

Etliche Vertreter der Umweltverbände verlassen frühzeitig die UN-Klimakonferenz – aus Protest. "Genug ist genug" – so in etwa der Konsens der enttäuschten Organisationen, die zwei Wochen vergeblich auf Ergebnisse warteten. Die Nichtregierungsorganisationen hoffen nun auf die nächste Konferenz – 2014 in Lima.

Klimawandel© Surrender / Fotolia.com

Warschau (dpa/red) - Zahlreiche Umweltverbände haben die Warschauer Klimakonferenz aus Protest gegen die schleppenden Verhandlungen verlassen. "Der Klimawandel ist eine Realität, aber hier in Warschau ist keinerlei Fortschritt zu sehen", sagte Greenpeace-Chef Kumi Naidoo am Donnerstag in der polnischen Hauptstadt. "Diese Konferenz sollte ein wichtiger Schritt nach vorne sein, aber nichts, rein gar nichts ist bisher herausgekommen."

Keine Lösungen in Sicht

Auf der Klimakonferenz in Warschau ist in zentralen Fragen auch kurz vor dem geplanten Abschluss keine Lösung in Sicht. Sie stand von vornherein unter ungünstigen Sternen: Gastgeber Polen hat sich jahrelang gegen höhere Klimaziele der EU gesperrt. Die Vorreiter Deutschland und die EU haben nicht mehr die Zugkraft wie auf früheren Klimakonferenzen. Das EU-Vorzeigeprojekt, der Emissionshandel, liegt zudem am Boden. Japan und Australien ziehen in Warschau bereits zugesagte Klimaschutzziele zurück.

Unterstützung armer Länder bleibt strittig

Die Vertreter von Greenpeace und anderen Organisationen wie Oxfam und WWF erwarten nicht, dass sich bis zum geplanten Konferenzende etwas ändert - auch wenn das Treffen vermutlich nicht wie geplant am Freitag, sondern erst am Wochenende endet. Vor allem die Thematik, wie arme Länder bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels finanziell unterstützt werden können, ist unter den in Warschau vertretenen 194 Staaten strittig.

Trotz Zusagen fließt kein Geld

Ein Hauptproblem dabei ist das Geld. Die Industrieländer hatten den ärmeren Staaten bereits in Kopenhagen 2009 mehr Mittel zugesagt für ihre klimafreundliche Entwicklung und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. 2020 sollten es 100 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) pro Jahr sein. Doch noch ist ungeklärt, auf welchen Wegen das Geld fließen soll. Daher hat auch noch kein Staat Finanzzusagen gemacht.

Hat Polen als Gastgeber versagt?

"Die Regierungen müssen wissen: genug ist genug", sagte die Direktorin von Oxfam International, Winnie Bynayima. "Es steht zu viel auf dem Spiel." Polen habe in der Rolle des Gastgebers versagt und sich von den Interessen der Kohleindustrie vereinnahmen lassen, sagte Denise Loga, Klimareferentin des WWF Deutschland. Die Nichtregierungsorganisationen (NGO) wollten "nicht länger Teil der Farce von Warschau" sein. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger.

Mehr Bürgerbeteiligung mit Blick auf 2014

Die NGOs hoffen nun Naidoo zufolge auf die nächste Klimakonferenz - 2014 in Lima. "Wir schätzen die Rolle der UN und des UN-Klimasekretariats", betonte er. "Aber nun wollen wir in der Zivilgesellschaft unserer Länder Druck auf unsere Regierungen aufbauen, damit es im nächsten Jahr endlich zu guten Ergebnissen kommt."

Quelle: DPA