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Umweltverbände fordern klares Bekenntnis zum Atomausstieg

Im Vorfeld des Energiegipfels fordern Umweltverbände von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein klares Bekenntnis zum Atomausstieg. Die Fortführung der Energiewendepolitik durch die große Koalition sei "unverzichtbar", sagte u.a. der Präsident des Deutschen Naturschutzringes (DNR), Hubert Weinzierl.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der Streit über den geplanten Atomausstieg nimmt mit dem Heranrücken des Energie-Gipfels bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu. Der Deutsche Naturschutzring (DNR) wies am Donnerstag die Forderung aus der Union und der Industrie nach einer Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken zurück. Der CDU-Wirtschaftsrat warnte dagegen vor "ideologischen Tabus".

DNR-Präsident Hubert Weinzierl forderte von Merkel ein klares Bekenntnis zum Atomausstieg. Dieser müsse "kompromisslos" durchgesetzt werden. Der Präsident des Dachverbandes der deutschen Umweltverbände nannte die Debatte über einen Weiterbetrieb von Atomkraftwerken "aberwitzig". Das angekündigte Energiekonzept der Bundesregierung müsse neben Energieeffizienz den Ausbau der erneuerbaren Energien in den Mittelpunkt stellen.

Weinzierl fügte hinzu: "Es wäre ein Irrweg, die derzeitige Energieverschwendung mit anderen Energiequellen fortsetzen zu wollen." Er kritisierte zugleich, dass die Umweltverbände nicht zu dem Energiegipfel am Montag eingeladen wurden: "Diese Missachtung kennzeichnet den Stellenwert, den Kanzlerin Merkel der Umweltpolitik einräumt."

Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, warnte die große Koalition dagegen vor einer Fortsetzung der rot-grünen Energiepolitik. Eine höhere Versorgungssicherheit lasse sich nur durch einen breiten Energiemix inklusive der Atomkraft erreichen. Lauk mahnte: "Damit die Kernenergie eine Brückenfunktion für Zukunftstechnologien übernehmen kann, müssen die Laufzeiten der Kernkraftwerke noch in dieser Legislaturperiode auf international übliche 60 Jahre verlängert werden."

Nach Ansicht des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) könnte jedoch der Atomausstieg bis 2020 mit "sauberer Energie" aus Wind, Wasser, Sonne, Erdwärme und Bioenergie "locker kompensiert" werden. Gleichzeitig könnten dadurch die Importabhängigkeit verringert und die Preise stabil gehalten werden, sagte BEE-Präsident Johannes Lackmann. Er betonte: "Hierfür werden die Unternehmen der erneuerbaren Energien insgesamt über 200 Milliarden Euro in Deutschland investieren."

Auch der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Peter Ahmels, wandte sich gegen die Annahme, dass Atomkraft den Strompreis senken würde. Der CDU-Wirtschaftsrat liege mit dieser Darstellung "jenseits der Realität". Ahmels betonte: "Solange es auf dem Strommarkt regionale Angebotsmonopole gibt, wird der Strompreis nicht sinken, sondern entwickelt sich lediglich im Profit-Interesse des Monopolisten." Für mehr Wettbewerb werde in Zukunft vor allem die mittelständische Branche der erneuerbaren Energien sorgen.

Von Jörg Säuberlich