Standpunkt

Umweltverbände: EU wird Zielmarke für erneuerbare Energien verfehlen

Die Umweltverbände WWF und EREF haben in dieser Woche vorgerechnet, dass die Europäische Union den Anteil der erneuerbaren Energien nicht wie geplant bis 2010 verdoppeln wird. Um den Trend umzukehren, müsste es in allen Ländern eine garantierte Mindestvergütung für Ökostrom geben. Zudem sollte der steigende Energieverbrauch eingedämmt werden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Die EU-Mitgliedsländer werden ihr Ziel, den Anteil regenerativer Energien bis zum Jahr 2010 zu verdoppeln, nicht erreichen. Davon zeigten sich der World Wildlife Fund for Nature (WWF) und die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien (EREF) in dieser Woche überzeugt.

Die Europäische Union hatte im Oktober 2001 beschlossen, bis zum Ende des Jahrzehnts den Strom-Anteil aus erneuerbaren Quellen auf 22 Prozent des Gesamtverbrauchs zu steigern. Mit ihrer gegenwärtigen Politik würden die 15 EU-Länder nach Schätzungen des WWF und der EREF die angepeilte Marke jedoch verfehlen und nur einen Ökostrom-Anteil von 15 bis 17 Prozent erreichen. Vor allem Italien und Großbritannien seien weit davon entfernt, ihre Vorgaben zu erfüllen. Italien wird bis 2010 nur 17 Prozent seiner Elektrizität aus erneuerbaren Quellen produzieren – die Zielmarke liegt bei 25 Prozent. Großbritannien peilte ursprünglich einen Zehn-Prozent-Anteil an, wird aber nur vier Prozent erreichen, beschreiben die Umweltverbände die aktuelle Situation.

Sogar Deutschland und Spanien, die sich die Förderung regenerativer Energien auf die Fahnen geschrieben haben, könnten an ihren eigenen Zielvorgaben scheitern. Deutschland wird vermutlich den angepeilten Ökostrom-Anteil von 13 Prozent nur knapp verfehlen, während Spanien dringend zusätzliche Maßnahmen ergreifen müsste, um seine Ziele zu erreichen. Notwendig seien entschiedene Schritte zur Förderung des Energieträgers Biomasse und zur Eindämmung des explodierenden Energieverbrauchs – allein im letzten Jahrzehnt stieg der Stromverbrauch in Spanien um 50 Prozent und bis 2011 wird ein weiteres Wachstum um 30 Prozent erwartet.

"Eine garantierte Mindestpreisvergütung für Ökostrom – als Kompensation für die hohen Subventionen in fossile Energieträger und in die Kernenergie – ist die beste Maßnahme zur Förderung regenerativer Energien", betont EREF-Präsident Joan Fages. Und WWF-Klimaexperte Giulio Volpi ergänzt: "Damit das Rennen noch gewonnen werden kann, müssen die EU-Länder dringend den steigenden Energieverbrauch einschränken und die regenerativen Energien auch finanziell fördern."